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Geschrieben: 07. Mai, 2014 in Krankheiten von A-Z | Psyche & Nerven
 
 

Psychische Störungen: Ein Segen für Erfolg und Kreativität?

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In aller Munde sind psychische Störungen wie ADHS, Asperger oder Legasthenie vor allem aufgrund der Beeinträchtigungen, die sie den Betroffenen bescheren. Doch auf die positiven Auswirkungen jener Gemütserkrankungen wird eher selten hingewiesen. Mozart, van Gogh, Schiller, Nietzsche: Wie zahlreichen anderen brillanten Künstlern, Erfindern oder Unternehmern werden ihnen psychische Erkrankungen nachgesagt.

Psychisch krank und kreativ?, Fotoquelle: 123RF

Nach neuesten Erkenntnissen führen Mediziner kreatives Denken und überschäumende Produktivität in vielen Fällen auf manische Episoden zurück. Die Fähigkeit, außerhalb der Norm zu denken und der Gedankenvielfalt freien Lauf zu lassen, ist an sich kein Garant für Geniales: Der manische Geist bringt zumeist unbrauchbares Gedankengut hervor. Öfter jedoch als beim normalen Menschen tauchen in der Masse an trivialen Ideen wegweisende Gedanken auf. So gesehen bedingt der Wahn nicht das Genie, doch er scheint es zu begünstigen.

Ungewöhnliches unerwünscht?

Der erhöhten Interaktion psychisch Kranker mit ihrem Seelenleben, steht oft das Unverständnis ihrer Mitmenschen gegenüber. So besteht auch für die Medizin das Risiko zu stark einzugreifen. Hinderk Emrich, lange Zeit Ordinarius für Psychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover, warnt vor einer zu einfachen Sichtweise: “Die Psychiatrie läuft heute in Gefahr, alles ungewöhnliche Seelenleben, das in der Romantik noch positive Nebenklänge hatte, als pathologisch zu etikettieren und zu bekämpfen.“

Der Einzug des Computers in den Alltag und der damit verbundene Siegeszug des Internets haben die Situation für Menschen mit besonderen Verhaltensweisen bedeutend verbessert. Viele Programmierer, die es auf dieser Grundlage weit bringen können, weisen Eigenschaften auf, die man dem Asperger-Syndrom zuschreibt: Die Leidenschaft für Zahlen, Muster und Maschinen, den Zwang zur Wiederholung sowie das geringe Gespür für soziale Kontakte. Die Schwierigkeit mit dem Lesen und Schreiben findet man ebenfalls nicht selten bei sehr erfolgreichen Persönlichkeiten wie zum Beispiel beim Apple-Gründer Steve Jobs und dem britischen Unternehmer und Milliardär Richard Branson.

Außergewöhnlicher Erfolg durch psychische Eigenarten

Über Legastheniker ist bekannt, dass sie sich Herausforderungen suchen, bei denen formale Leistungsnachweise nicht so wichtig sind und dass sie Verwaltungsarbeit meiden. Ob der Erfolg sich einstellt, weil sie erstere auf brillante Weise meistern und letztere geschickt an andere weiterleiten, ist zwar bisher nicht nachgewiesen, aber durchaus möglich. Auch die Eigenart, unter Strom zu stehen, kann zu beträchtlichen Erfolgen führen, wie man es bei dem aus dem Schwarzwald stammenden Produktdesigner Hartmut Esslinger bereits in jungen Jahren feststellte. Zusätzlich zum unaufgeräumten Lebensstil, zum Aufschieben, zur fehlenden Konzentrationsfähigkeit und anderen Eigenschaften, die mit ADHS verbunden sind, verfügen Betroffene wie er über Kreativität und die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

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