0
Geschrieben: 15. Oktober, 2014 in Aktuelles | Krankheiten von A-Z
 
 

RBD: Eine gefährliche Schlafverhaltensstörung

18136584_S
18136584_S
Sie hauen und treten im Traum um sich, manchmal würgen sie sogar ihren Schlafpartner: Menschen, die an der raren REM-Schlafverhaltensstörung leiden, können, ohne es zu wissen, zur Gefahr werden. REM bedeutet „Rapid Eye Movement“ und definiert eine spezielle Phase des  Schlafes, deren Charakteristik unter anderem von raschen Augenbewegungen geprägt ist.


Vor allem ältere Menschen sind von RBD betroffen, Fotoquelle: 123RF


Gibt es eine Störung dieser Phase, so wird dies RBD, „REM sleep behavior disorder“ genannt, eine REM-Schlafverhaltensstörung. In den wenigsten Fällen endet diese Störung auf dramatische Weise. „Dass Ehepartner morgens mit einem blauen Auge erwachen oder sogar gewürgt werden, kommt aber durchaus vor“, erklärt Wolfgang Oertel, ehemaliger Direktor der Klinik für Neurologie an der Philipps-Universität Marburg und Forschungsprofessor Neurowissenschaften der Hertie-Stiftung (Quelle: spiegel.de).

Störung tritt vor allem im Alter auf

Auffällige Verhaltensweisen im Schlaf nennt man Parasomnien. Diese seltsame, aber dennoch gefährliche Art der Parasomnie haben etwa 0,4 Prozent der Deutschen. Vor allem im Alter ist sie präsent: Laut Erhebungen leiden sechs Prozent der 70- bis 89-Jährigen an RBD. Deutlich wird die REM-Schlafverhaltensstörung vor allem bei Männern. „Frauen könnten aber genauso häufig betroffen sein, nur wissen wir das nicht, weil sie im Traum weniger aggressiv agieren“, erklärt Oertel. Er fügt hinzu: „Die meist kurzen Traum-Episoden können ab 90 Minuten nach dem Einschlafen bis zum Erwachen auftreten, mehrmals pro Nacht oder auch nur einmal innerhalb weniger Wochen.“

Mittlerweile gibt es verlässliche Zeichen dafür, dass Patienten mit RBD später eine Parkinson-Krankheit oder eine Lewy-Körperchen-Demenz bekommen. Wissenschaftler aus Barcelona begannen 1991 eine Studie, bei der sie den Verlauf der Krankheit von 44 Patienten mit einer REM-Schlafverhaltensstörung untersuchten. Etwa 70 Prozent der Betroffenen entwickelten bis 2005 Parkinson oder eine Lewy-Körperchen-Demenz. Weitere sieben Jahren später waren es 36 der 44 Probanden, die unter einer Störung litten. „Bei 80 Prozent der Betroffenen stellen sich zehn bis zwanzig Jahre nach dem Auftreten der Schlafstörung die typischen Parkinson-Symptome wie eine verlangsamte Bewegung ein“, erklärt Oertel.

RBD-Erkrankte sind keine Schlafwandler

Man sollte die REM-Schlafverhaltensstörung nicht mit Schlafwandeln verwechseln. „Schlafwandler sind im Tiefschlaf unterwegs und auch nicht aggressiv“, erklärt der Mediziner. Im Unterschied zu RBD-Erkrankten könnten sich Schlafwandler danach an nichts mehr erinnern. „Bewegungen und Brabbeln sind in Tief- und Leichtschlafphasen nichts Ungewöhnliches“, erklärt Oertel. Tauchen sie jedoch im Traum auf, kann dies eine Störung andeuten. Im Schlaflabor kann RBD eindeutig diagnostiziert werden: Durch Aufnahmen der Muskelaktivität sind Ärzte in der Lage, das seltsame Verhalten mit den Schlaf- und Traumphasen in Beziehung zu setzen. Aktuell kann RBD nicht gehemmt oder geheilt werden. „Mit Medikamenten wie Clonazepam und Melatonin können Bewegungen im Traum jedoch unterdrückt werden und Partner sicherer schlafen“, erklärt Oertel.

Print Friendly, PDF & Email
War dieser Artikel hilfreich? Bewerten Sie Ihn.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertung bisher)
Loading...