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Geschrieben: 20. März, 2017 in Krankheiten von A-Z
 
 

Schilddrüsenerkrankungen – Energiestoffwechsel

10289595 - scanning of a thyroid
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Wie ein Schmetterling liegt die Schilddrüse unter dem Kehlkopf auf der Luftröhre. Sie ist eine Hormondrüse und steuert die Speicherung von Jod und die Bildung jodhaltiger Hormone, die eine wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel, das Zellwachstum und die Knochengesundheit spielen. Da sie von solch großer Bedeutung ist, haben Erkrankungen der Schilddrüse auch ebenso großen Einfluss auf unser allgemeines Wohlbefinden.

Fotoquelle: 123RF – Kontrolluntersuchung der Schilddrüse

Zahlreiche Krankheiten nehmen in der Schilddrüse ihren Anfang und/oder beeinflussen deren Funktion.

Über- und Unterfunktion der Schilddrüse

Typisch für Beeinträchtigungen der Funktion der Schilddrüse in Form einer Über- oder Unterfunktion sind Stoffwechsel- und Befindlichkeitsstörungen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion schüttet die Schilddrüse zu viele Hormone aus und überschwemmt den Organismus damit. Dadurch wird die Funktion aller Organe verstärkt, der Stoffwechsel läuft heiß. Die Folge sind z.B. übermäßiges Schwitzen, gesteigertes Wärmeempfinden, Herzklopfen bzw. Herzrasen, leichter Bluthochdruck, Nervosität, häufiger Stuhlgang, Regelstörungen und Potenzprobleme. In der Folge kann es bei ständiger Überbelastung des Herz-Kreislauf-Systems auch zu einer Herzschwäche kommen. Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist häufig ein sogenannter „heißer Knoten“ oder eine Basedow´sche Erkrankung.

Im Gegensatz dazu produziert die Schilddrüse bei einer Unterfunktion zu wenig Schilddrüsenhormone. Der so entstehende Mangel äußert sich in einer Verlangsamung aller Körperfunktionen. Betroffene sind sehr kälteempfindlich und sind auffallend oft müde und antriebsschwach. Auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme treten relativ häufig auf. Der Puls ist verlangsamt, Wassereinlagerungen, Verstopfung, Regelstörungen, Potenzprobleme und Gewichtszunahme treten auf. Auch kann die Haut kalt, trocken und schuppig werden und sich blassgelb verfärben. Durch den verlangsamten Stoffwechsel kann es in der Folge zu einem Anstieg der Blutfettwerte kommen, wodurch das Risiko von Gefäßablagerungen und somit Herzinfarkten und Schlaganfällen steigt. Besonders ältere Menschen leiden prozentual häufiger an einer Schilddrüsenunterfunktion. Ansonsten kann sie auch durch eine Schilddrüsenentzündung, operative Eingriffe oder Radiojodbehandlungen auftreten. Auch angeborene Schilddrüsenunterfunktionen sind, ebenso wie Überfunktionen, möglich.

Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis, manchmal auch lymphozytäre oder chronische Thyreoiditis genannt, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem irrtümlich bestimmte Eiweiße innerhalb der Schilddrüse bekämpft. Zunächst können diese Beschwerden mild verlaufen und unentdeckt bleiben. Erstmalig dokumentiert wurde sie 1912 von dem japanischen Arzt Nakaru Hashimoto. Im Zuge der Bekämpfung körpereigener Zellen kommt es zu einer Entzündung der Schilddrüse und zur Zerstörung ihrer Zellen. Schilddrüsenhormone werden unkontrolliert freigesetzt, weshalb es zu einer temporären Überfunktion und entsprechenden Symptomen kommen kann. Im Anschluss entsteht in vielen Fällen durch das dauerhaft zerstörte und funktionslose Gewebe eine Unterfunktion. Mögliche Ursachen für eine Hashimoto-Thyreoiditis können Virusinfektionen, eine Schwangerschaft oder eine hohe Jodzufuhr sein. Abschließend geklärt werden konnte das jedoch noch nicht.

Morbus Basedow

Bei der Basedowschen Krankheit regt das Immunsystem die Schilddrüse zur unkontrollierten Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen an, in deren Folge eine schwere Schilddrüsenüberfunktion samt der entsprechenden Beschwerden entsteht. Es handelt sich also ebenfalls um eine Autoimmunerkrankung. Sie trägt den Namen des Merseburger Arztes Carl von Basedow, der die Erkrankung erstmals 1840 beschrieb. Umfassende wissenschaftliche Erkenntnisse über den Grund für die Entwicklung eines Morbus Basedow existieren bislang nicht.

Heiße und kalte Knoten

Heiße Knoten sind meist gutartige Gewebeveränderungen in der Schilddrüse. Sie werden jedoch nicht mehr von der Hirnanhangsdrüse reguliert und bilden daher vermehrt Hormone, wodurch es zu einer Schilddrüsenüberfunktion mitsamt der entsprechenden Symptome kommt.

Kalte Knoten sind hingegen inaktiv, d.h. sie produzieren keine Hormone. Meist handelt es sich auch um gutartige Veränderungen des Gewebes, Narbengewebe, kleine Verkalkungen oder Zysten. In seltenen Fällen entwickelt sich aus einem kalten Knoten ein bösartiger Tumor, weshalb die Diagnose sehr sorgfältig verläuft und der Knoten unter Umständen vorsorglich entfernt wird.

Der Kropf

Ein Struma oder Kropf ist eine vergrößerte Schilddrüse, ausgelöst durch einen anhaltenden Jodmangel. Die Folge können ein Druck- und Engegefühl im Hals sein. Anders als die bereits angesprochenen Hormon- bzw. Autoimmunstörungen ist ein Kropf im Anfangsstadium nur schwer zu diagnostizieren. Ein Tastbefund kann die nötige Klarheit bringen. Unter Umständen können sich in einem Kropf auch heiße und kalte Knoten bilden, die ebenfalls behandelt werden müssen. Die wichtigste Vorsorgemaßnahme besteht in einer ausreichenden Versorgung mit Jod, z.B. durch ausreichend Jodsalz, Fisch und Brot.

Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

Die Art der Behandlung richtet sich naturgemäß immer nach der Art der Erkrankung. Der Behandlungserfolg ist meist sehr gut. Manchmal eignen sich Medikamente, die die Produktion von Schilddrüsenhormonen anregen oder hemmen, wie im Fall einer Schilddrüsenunter- bzw. -überfunktion. Manchmal können jedoch auch Operationen geeignet sein, um überschüssiges Gewebe, z.B. bei einem Kropf oder einem kalten Knoten, zu entfernen. Eine weitere Methode, um Schilddrüsengewebe zu entfernen bzw. zu zerstören, ist die Radiojodtherapie. Dabei wird radioaktives Jod verabreicht, das sich in der Schilddrüse anreichert und dort Gewebe zerstört. Welche Therapie in welchem Fall sinnvoll ist, liegt natürlich im Ermessen des behandelnden Arztes.

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