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Geschrieben: 08. August, 2013 in Naturheilkunde | Therapien
 
 

Schmerzlinderung durch Akupunktur

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Herr S. hat Rückenschmerzen – seit Jahren schon. Er hat sich daran gewöhnt, doch plötzlich verstärken sich seine Schmerzen.  Er erhält Spritzen und Physiotherapie, doch das hilft nur vorübergehend, zudem verträgt er die Medikamente nicht. Herr S. wird weiter untersucht, die Kernspintomografie zeigt Abnutzungserscheinungen und einen Bandscheibenvorfall, ein Arzt will ihn operieren.



„Keiner hat nach meiner beruflichen Situation gefragt“, erzählt der 54-Jährige, „auch untersucht wurde ich nur kurz und ganz oberflächlich“.

Die Odyssee des Herrn S. endet nach unzähligen frustrierenden Arztbesuchen in der Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians- Universität in München. An der Klinik für Anästhesiologie leitet Privatdozent Dr. Dominik Irnich die Interdisziplinäre Schmerzambulanz Innenstadt, die sich mit allen Aspekten von Schmerzen beschäftigt. Behandelt wird hier unter anderem mit Akupunktur.

Irnich ist zweiter Vorsitzender der DÄGfA (Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur) und Leiter deren Fortbildungszentrums. Vornehmliches Ziel der ältesten deutschen ärztlichen Akupunkturgesellschaft ist, die Akupunktur wissenschaftlich zu erforschen, sie zur offiziellen Anerkennung zu bringen und eine fundierte Ausbildung zu vermitteln – „und zwar in respektvoller Offeneit und gegenseitiger Ergänzung der unterschiedlichen ost-westlichen Erfahrungen und Sichtweisen“, wie Irnich unterstreicht.

  • Ob Kopf- oder Rückenschmerzen,
  • Burnout,
  • krankhafte Fettleibigkeit,
  • Allergien,
  • Autoimmunerkrankungen oder
  • neurologische Probleme

-vor den Krankheiten der modernen Industriegesellschaft muss die Schulmedizin nicht selten passen.

Viele Menschen suchen und finden Hilfe in alternativen Heilmethoden. Die Akupunktur hat sich längst auch im Westen etabliert, wird teilweise auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Das Wort Akupunktur stammt aus dem Lateinischen. Acus, heißt Nadel,  punctio ich steche. Irnich fasst darunter „Stechen und Brennen“ zusammen, denn der chinesische Begriff zhēn jiu umfasst neben Stechen (zhen) eben auch die Behandlung mit Moxa (jiu). Dabei werden getrocknete Beifußfasern (Moxa) auf oder über Therapiepunkten abgebrannt.

Bei Herrn S. stellte sich nach ausführlichem Arztgespräch und eingehender Untersuchung heraus, dass sein Arbeitsplatz gefährdet war – eine existenzbedrohende Situation. Irnich kam zu dem Schluss, dass weder Bandscheibenvorfall noch Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule ursächlich für die Schmerzen waren. Vielmehr fand er muskuläre Triggerpunkte mit starker Aktivität und davon ausgehende Ausstrahlungsschmerzen. Eine Akupunkturserie mit zwölf Behandlungen der Triggerpunkte, – angstlösende und muskelentspannende Fernpunkte – führte zusammen mit unterstützenden Gesprächen zu deutlicher Linderung.

Die berufliche Situation des Herrn S. blieb zwar schwierig, aber er akzeptierte, dass sich seine Stressbelastungen körperlich äußerten – und damit verloren sie zugleich ihre Angst auslösende Wirkung.  Der überwiegende Teil seiner Patienten mit Schmerzen am Bewegungssystem, etwa 80 Prozent, habe Funktionsstörungen, berichtet Irnich, das Zusammenspiel zwischen Muskulatur, Sehnen und Gelenken sei gestört, woraus Schmerzen resultieren. Dem rückt er mit Akupunkturnadeln zu Leibe.

„Akupunktur kann das Schmerzabwehrsystem aktivieren, Muskelentspannung bewirken und den Schlaf positiv beeinflussen“, fasst der Privatdozent die Faktoren zusammen, die dem Patienten die Beweglichkeit wieder zurückbringen sollen.

„Die Wirkung ist wissenschaftlich nachgewiesen“, sagt er und verweist auf Studien, beispielsweise im New England Journal of Medicine. Die Akupunktur ist Teil der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin. „TCM sollte auf der Basis sauberer Schulmedizin betreiben werden“, rät Irnich dringend. Der DÄGfA gehören ausschließlich Ärzte an, derzeit rund 9700.
Akupunktur als invasives Verfahren gehöre in ärztliche Hand, postuliert der Verband. Schließlich gehöre neben einer medizinischen Untersuchung auch die Abwägung dazu, welche Therapie – ob schulmedizinische oder TCM – im jeweiligen Fall angebracht sei. Zertifikate seien heutzutage kein Kriterium mehr, daher empfiehlt Irnich, auf den Webseiten seriöser Verbände nach Adressen von Ärzten in erreichbarer Nähe zu recherchieren.

  Autorin: Dr. Andrea Hammerl 86668 Karlshuld

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