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Geschrieben: 21. März, 2014 in Aktuelles | Psyche & Nerven
 
 

Steigende Angst vor Schizophrenen am Arbeitsplatz

Schizophrenie, Fotoquelle: 123RF
Schizophrenie, Fotoquelle: 123RF

Die Furcht vor schizophrenen Kollegen am Arbeitsplatz steigt. Zu diesem Ergebnis kamen jetzt Wissenschaftler aus Leipzig. So entwickeln Menschen vielmehr Angst als Mitleid zu den betroffenen Personen. 1990 war es noch jede fünfte Person, die nicht mit Schizophrenen den Arbeitsplatz teilen wollte. Heute ist es bereits fast jede dritte. Menschen wollen sich demnach häufiger von Personen mit der Krankheit abgrenzen.

Schizophrenie, Fotoquelle: 123RF

Eine noch größere Ablehnung erfahren in unserer Gesellschaft nur Alkoholabhängige: über die Hälfte aller Befragten gaben an, alkoholkranke Personen nicht in ihrem Freundeskreis haben zu wollen.

Die Schizophrenie hat viele Gesichter

Etwa 0,5 Prozent der Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an Schizophrenie. Schizophrenie ist eine seelische Erkrankung, die Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen hervorruft. Die betroffenen Personen leiden häufig unter einem veränderten Realitätsempfinden und Wahnvorstellungen. Neben einer genetischen Veranlagung spielen belastende Lebensereignisse als Auslöser eine entscheidende Rolle. Dazu gehören beispielsweise Stress am Arbeitsplatz, Todesfälle und familiäre Krisen – aber auch Lebenskrisen durch den Verlust der Arbeit oder den Renteneintritt. Die biologische Veranlagung steht nicht im Vordergrund: das Selbstbild des Menschen sowie sein soziales Umfeld können auf die Enstehung der Krankheit einwirken. Auch Nebenwirkungen bewusstseinsverändernder Substanzen können als Auslöser einer Schizophrenie in Betracht gezogen werden.

Ein Teufelskreis für die Betroffenen

Das Ergebnis der Forscher hingegen stellt heraus, dass bei der Beurteilung von Schizophrenie – im Gegensatz zu einer Beurteilung von Depressionen – genau diese sozialen Ursachen in den Hintergrund treten. Schizophrenie wird mehr denn je als eine Störung des Gehirns betrachtet, welche sich unbeeinträchtigt vom sozialen Umfeld entwickelt. Hingegen werden Depressionen und „Burn-out“ häufiger soziale Auslöser und belastende Lebensereignisse zugesprochen.

Hieraus entsteht ein Teufelskreis: Menschen mit schizophrenen Störungen werden weniger akzeptiert, die Wiedereingliederung in das soziale Umfeld sinkt somit. Aber gerade ein akzeptierendes soziales Umfeld könnte eine Genesung unterstützen.

Die Wissenschaftler plädieren deshalb dafür, dass sich das Bild, das die Gesellschaft von Schizophrenen hat, verändern muss: Das extreme Schwarz-Weiss-Denken führe zu Ausgrenzung von hilfebedürftigen Menschen. Bei der Rehabilitation spielen Arbeit und Beruf eine entscheidende Rolle. Nicht nur, weil sie für die Existenz, sondern auch für Persönlichkeit und Selbstwert wichtig sind. Hier und im familiären, sportlichen oder kulturellen Bereich kann es gelingen, den Betroffenen wieder stärker am vielfältigen gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.

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