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Geschrieben: 29. Oktober, 2013 in Aktuelles | Onkologie
 
 

Strom gegen Krebs: Neues Verfahren soll Tumorzellen zerstören

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Krebspatienten können neue Hoffnung schöpfen. Wenn ein Tumor operativ nicht entfernt werden kann und die Chemotherapie nicht die gewünschten Erfolgsaussichten verspricht, kann Strom dabei helfen den Krebs zu zerstören. Derzeit prüft man in Studien die Wirksamkeit der sogenannten irreversiblen Elektroporation.


 
Fotoquelle: 123RF

Irroperabel – und doch nicht das Aus?

Die wohl schlimmste Vorstellung eines Patienten ist die Diagnose Krebs in Kombination mit der Aussage „irroperabel“. Irroperabel bedeutete bislang für viele Menschen das Aus oder ein Ende der medizinischen Möglichkeiten. Gerade dann ist diese Diagnose so schlimm, wenn sie unerwartet gestellt wird und der Tumor schon so weit vorangeschritten ist, dass er sich aufgrund seiner Größe nicht mehr entfernen lässt oder an einer Stelle sitzt, die jeden operativen Eingriff zum lebensgefährlichen Unterfangen machen würde. Nun keimt genau an der Endhaltestelle vieler Krebspatienten neue Hoffnung auf. Wissenschaftler haben ein neues Verfahren entwickelt, bei dem der Krebs durch Stromstöße zerstört werden soll.

Die neue Methode nennt sich Irreversible Elektroporation (IRE). Dabei wird mit kurzen, aber sehr starken elektrischen Impulsen die Membran der Tumorzellen regelrecht durchlöchert. Die Folge ist beeindruckend. Durch die zugefügten, nicht mehr auszugleichenden Schäden begibt sich der Krebs in den Zelltod und verliert seine Stabilität. Der Körper sorgt nun, wie bei jedem Zelltod für einen sauberen Abtransport des „unbrauchbaren“ Materials. Es ist kaum zu glauben, aber doch war: im besten Fall löst sich der Tumor durch IRE im Nichts auf, sogar so, als sei er nie dagewesen. Sämtliche Nebengefäße, Nerven, Gewebestrukturen oder angrenzendes, gesundes Gewebe bleiben dabei vollkommen erhalten und werden durch die Stromstöße nicht angegriffen. Dies bedeutet letztendlich nicht nur weniger Nebenwirkungen, sondern auch eine deutliche schnellere Erholung betroffener Patienten.

Keine zu große Euphorie walten lassen

Sicher hört sich das alles sehr beeindruckend an und manch Patient wagt sich nun positiv nach vorne zu blicken. Nichtsdestotrotz warnt der Urologe Uwe-Bernd Liehr der Universitätsklinik Magdeburg vor voreiliger Vorfreude. Noch besteht kein abgesicherter Wirksamkeitsnachweis. Studien müssen erst noch zeigen, ob der Therapieansatz den Erfolg verspricht, welchen man voraussagt. Vor allem muss geklärt werden, ob ein Tumor damit tatsächlich vollkommen und dauerhaft entfernt werden kann.  Am 15. Oktober startete hierzu eine Studie in Verbindung mit Nierenkrebs. Diese soll bei 20 Patienten getestet und daraus Schlüsse über den Erfolg gezogen werden. Erst, wenn sich hier die gewünschten Prognosen bewahrheiten, könnte sich das Verfahren also Standardbehandlungsmethode etablieren. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass sich die Therapie vom Nierenkrebs auch auf den Tumor in anderen Körperbereichen übertragen ließ.

Wie kann man sich IRE vorstellen?

Beim Verfahren wird der Patient unter Vollnarkose behandelt. Sricknadelähnliche Stäbe, welche winzige Elektroden an ihren Enden besitzen, werden auf dem Tumor platziert. Von einem Computer kontrolliert, werden kurze Stromstöße zwischen jeweils zwei parallel geführten Nadeln abgegeben und auf diese Weise Löcher im Tumor gebildet. Die Prozedur an sich dauert nur wenige Minuten. Wesentlich aufwendiger ist hingegen das Setzen der Nadeln und die Vorbereitung der Platzierung.

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