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Geschrieben: 17. Dezember, 2013 in Aktuelles | Herz & Kreislauf | Krankheiten von A-Z
 
 

Tako Tsubo – Broken-Heart-Syndrom

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Tako Tsubo – wenn Stress zur lebensbedrohlichen Falle wird

 

 

 



In einem Katheterlabor wie diesem werden Patienten untersucht. Bild: Krankenhaus Porz am Rhein

Eigentlich war Ursula Schmidt (Name geändert) wegen ihres Ehemanns im Krankenhaus, der einen Herzinfarkt erlitten hatte. Doch dann wurde die 67-Jährige unerwartet selber zur Patientin: Plötzlich bemerkte sie starke Brustschmerzen und Luftnot – ähnliche Beschwerden, die zuvor ihren Mann in die Notaufnahme geführt hatten. Allerdings konnten die Ärzte bei ihr keine verstopften Herzkranzgefäße finden. Auffällig war vielmehr die linke Herzkammer, die eine Bewegungsstörung  aufwies – ein Phänomen, das durch akuten seelischen Stress ausgelöst wird und als „Tako-Tsubo-Kardiomyopathie“ oder „Broken-Heart-Syndrom“ bezeichnet wird.

„Diese Erkrankung tritt sehr häufig auf, dabei sind in rund 80 Prozent der Fälle Frauen betroffen“, schildert Professor Marc Horlitz, Chefarzt der Kardiologie am Kölner Krankenhaus Porz am Rhein und Mit-Initiator des Kooperativen Kölner Herzzentrums beidseits des Rheins. Im Gespräch mit den Patienten stelle sich dann immer heraus, dass sie zuvor wegen eines aufreibenden Erlebnisses unter extremem Druck standen. Dadurch kam es zu einer starken Ausschüttung von Stresshormonen wie etwa Adrenalin. So erging es auch Ursula Schmidt: „Die Patientin war bereits wegen ihres Mannes sehr aufgeregt“, sagt Horlitz. „Zu allem Überfluss sah sie dann aus dem Fenster seines Patientenzimmers, wie jemand ihr geparktes Auto rammte und dann einfach weiterfuhr.“ Diese Beobachtung sei schließlich der letzte Auslöser für den Herzanfall gewesen.

Bei der Untersuchung zeigte das Elektrokardiogramm (EKG) Veränderungen, die auch bei einem Herzinfarkt zu erkennen sind. „Die Patientin gab jedoch an, immer gesund gewesen zu sein und ihre Herzkranzgefäße sahen aus wie die einer 17-Jährigen“, erinnert sich der Kardiologe. Eine Ultraschallaufnahme habe aber gezeigt, dass der Herzmuskel nicht richtig pumpte. Die Form der linken Herzkammer ähnelt bei solch einer Kontraktionsstörung der eines Ballons: Von der Mitte bis zur Spitze zieht sich das Organ nicht mehr richtig zusammen. Japanische Kardiologen, die das Krankheitsbild 1991 erstmals erkannten, fühlten sich bei dieser Silhouette an eine Tintenfischfalle erinnert – auf Japanisch „Tako Tsubo“. So entstand schließlich auch der Name der Erkrankung.

„Meistens sind Frauen ab den Wechseljahren von Tako Tsubo betroffen“, erläutert Horlitz. „Es wird daher vermutet, dass Hormone hierbei eine Rolle spielen.“ Doch ein genauer Zusammenhang konnte bislang noch nicht erforscht werden. Rund sieben Prozent aller Herzerkrankungen seien laut dem Kardiologen auf das Broken-Heart-Syndrom zurückzuführen. Die Dunkelziffer schätzt der Facharzt aber deutlich höher ein. So behandle er jeden Monat ein bis zwei Patienten, die davon betroffen sind.

„Im Vergleich zu Männern kündigen sich bei Frauen zudem häufig untypische Alarmsignale an, die nicht direkt mit Herzbeschwerden in Verbindung gebracht und zunächst oft falsch eingeschätzt werden, sagt Horlitz. „Im akuten Fall leiden Frauen beispielsweise an Schmerzen im Unterkiefer, an Unterbauchbeschwerden oder an Nackenschmerzen – es ist deshalb überaus wichtig, jedes Symptom ernst zu nehmen und sofort den Notarzt aufzusuchen.“ Denn in der Akutphase zählt ebenso wie bei einem Herzinfarkt jede Minute.

Auf der Intensivstation erhalten Patienten mit Beta-Blockern, ACE-Hemmern und Diuretika dieselben Medikamente wie bei einem Herzinfarkt. Gleichzeitig wird der Herzrhythmus ständig überwacht. Meistens haben Betroffene Glück im Unglück – wird eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie rechtzeitig erkannt, ist die Prognose sehr gut: „Die Überlebenschancen sind bei rechtzeitiger Behandlung extrem hoch“, versichert Horlitz. So liege die Sterberate bei nur einem Prozent. „Schon nach wenigen Stunden kann beobachtet werden, wie sich die Pumpfunktion des Herzens wieder normalisiert.“ Innerhalb weniger Wochen regeneriert sich das Herz vollständig.

Um es aber gar nicht erst so weit kommen zu lassen, rät Horlitz dazu, das seelische Wohlbefinden zu fördern und schädlichen Stress präventiv abzubauen. „Es ist wichtig, Stress möglichst gar nicht erst zuzulassen und sich von negativen Gedanken zu lösen.“ Möglich sei dies zum Beispiel durch Meditation und autogenes Training. „Hierbei lernt man, jederzeit von der Alltagshektik abzuschalten und eine innere Distanz zum Geschehen aufzubauen.“ Auch regelmäßiger Sport und gesunde Ernährung spielen laut Horlitz eine wichtige Rolle. „Aber das sollte ohnehin für jeden selbstverständlich sein.“ Allerdings werden diese einfachen Methoden für ein gesünderes Leben in der Hektik des Alltags oft vernachlässigt.

Autorin: Nadine Carstens

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