
Tollwutimpfung für Reisen nach Brasilien
Centrum für Reisemedizin empfiehlt: 08.11.2005
Tollwutimpfung für Reisen nach Brasilien
Im Nordosten Brasiliens, insbesondere in den Bundesstaaten Maranhao und Para, ist es in den vergangenen beiden Monaten zu auffallend vielen Todesfällen durch Tollwut gekommen. Die Behörden melden allein aus Maranhao 23 Tote, darunter 18 Kinder. Das Centrum für Reisemedizin (CRM), Düsseldorf rät daher allen, die in den nächsten Wochen eine Reise in die Regionen planen, sich unbedingt bei einem reisemedizinisch fortgebildeten Arzt oder Apotheker beraten zu lassen, ob für sie eine Impfung gegen Tollwut erforderlich ist. "Insbesondere Reisende, die sich auch in ländlichen Gebieten aufhalten werden, beispielsweise während einer Rundreise oder Jugendliche, die für einige Wochen in Sozialprojekten in der Urwaldregion mitwirken, sollten gegen Tollwut geimpft sein", erläutert Dr. Burkhard Rieke vom CRM.
Anders als im Allgemeinen vermutet, wurden die Tollwutfälle nicht durch Bisse von streunenden Hunden oder Katzen verursacht, sondern durch blutsaugende Vampirfledermäuse, deren größte nur etwa 7 - 9 Zentimeter messen. In Lateinamerika gehören diese Fledermäuse zu den Hauptüberträgern der Tollwut. Allerdings ist eine derartige Häufung von Vampirangriffen auf Menschen neu. Normalerweise holen sich Fledermäuse ihre Blutmahlzeit vor allem bei Weidetieren. Experten führen die Verhaltensänderung und Vermehrung auf die rigorosen Waldrodungen im Nordosten Brasiliens zurück. In den letzten 20 Jahren sind in Brasilien 704 Menschen an Tollwut verstorben, davon 84 in Maranhao.
Tollwut verläuft ohne Impfschutz und unbehandelt immer tödlich. Um einen zuverlässigen Schutz aufzubauen sind vor einer Reise drei Einzelimpfungen im Gesamtabstand von drei bis vier Wochen erforderlich. Trotz Impfung sollte sich jedoch jeder, der Kontakt mit einem infizierten Tier hatte, ärztlich behandeln lassen. Ungeimpfte müssen allerdings möglichst unverzüglich mit Immunglobulin und Impfstoff versorgt werden, um das Risiko einer tödlichen Infektion zu mindern. "Gerade dabei gibt es jedoch in vielen Regionen der Welt, auch in abgeschiedenen Gebieten Brasiliens, große Probleme", weiß Dr. Rieke. "Es fehlt oftmals an ärztlicher Versorgung. Immunglobulin, immerhin ein Blutprodukt von zahlreichen Spendern, und Impfstoffe sind nicht vorhanden oder von fraglicher Qualität".
Um die Gesundheitsvorsorge für eine Reise nach Brasilien optimal zu gestalten, empfiehlt das CRM eine reisemedizinische Beratung etwa 4 - 6 Wochen vor Abreise. Dabei sollte auch der Impfschutz für Diphtherie, Tetanus, Hepatitis A und Gelbfieber überprüft werden und der Malariaschutz besprochen werden. Adressen von Beratungsstellen veröffentlicht das CRM im Internet unter www.crm.de und www.travelmed.de
