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Geschrieben: 24. März, 2017 in Ratgeber Tipps & Trends
 
 

Überlebenstraining im Urlaub

25281097 - lost hiker with backpack checks map to find directions in wilderness area
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Die meisten Leute suchen während des Urlaubs nach Ruhe und Entspannung. Sie wollen vielleicht einen beheizten Pool, einen geführten Ausflug in die Stadt oder zu den nahen Ruinen, abends dann ans Buffet und ein Glas Wein in der lauen Brise. Doch für manch einen ist das nichts. Wie wäre es also stattdessen mit einem Urlaub im Wald, ohne fließendes Wasser, ohne Heizung und Bett, ohne leckere Delikatessen und ohne Internet?

Fotoquelle: 123RF – Überlebenstraining als spannende Abwechslung

Warum versuchen Sie nicht mal, der Zivilisation und ihren Annehmlichkeiten zu entfliehen. Sie könnten sich selbst ausprobieren und lernen, was Sie wirklich zum Leben in der Natur benötigen und wie Sie ohne den Komfort der Zivilisation zurechtkommen. Es ist die Selbstständigkeit, die der Camper so liebt – nur auf die Spitze getrieben. Früher hießen diese Leute Überlebenskünstler oder Waldläufer, heute nennt man sie Survivalists oder Bushcrafter. Immer mehr Leute begeistern sich für diese Art der Erfahrung. Und vielleicht ist das ja auch etwas für Sie?

Minimalismus als Prinzip

Der Grundlage eines Überlebenstrainings ist der Wille zum Verzicht: auf ein kuscheliges Bett, auf reichhaltiges und raffiniertes Essen, auf eine warme Dusche und fließend Wasser, und auf die unendlichen Unterhaltungsmöglichkeiten des Internets. Denn all diese Dinge sind Errungenschaften unserer modernen Zivilisation. Und während des Überlebenstrainings soll zuerst einmal vermittelt werden, dass all diese Annehmlichkeiten eben nicht (über-)lebenswichtig sind. Zum Schlafen benötigt man keine Federkernmatratze, keine Kuscheldecke und kein Kopfkissen, alles frisch bezogen und duftend. Und Essen gibt es auch in freier Natur. Natürlich muss man wissen, was essbar ist und wo man es finden kann. Auch die Portionen werden ohne eine Menge Glück oder zur falschen Jahreszeit nicht besonders üppig ausfallen. Oft ist der Nachschlag von vornherein gestrichen. Und auch wenn die Körperhygiene eine sehr angenehme Sache ist, die man niemals ganz vernachlässigen sollte, existiert die Tendenz, es damit auch zu übertreiben. Jedenfalls ist Make-up genauso überflüssig wie das Händewaschen, nachdem man ein paar Zweige und Steine berührt hat. Und wer sich ohne Streams, Memes und Hashtags im Wald einsam fühlt, sollte vielleicht einmal ganz bei Null anfangen, sich auf den Boden setzen, die Ohren aufsperren und auf die Umgebung horchen. Einsam ist man im Wald nämlich nie. Nur, wer hört denn schon einzelne Tropfen fallen, wenn rundherum ständig multimediale Brecher über einem zusammenstürzen? Im Wald erlebt man schnell eine „sensorische Entschlackung“.

Selbstständigkeit als Ziel

Das Ziel dieses Verzichts ist die größtmögliche Unabhängigkeit. Dafür wird Teilnehmern eines Überlebenstrainings meist das Handwerkszeug vermittelt, um in der Natur mit den Mitteln der Natur zu überleben. Das bedeutet, dass sie vom Feuermachen ohne Streichhölzer oder Feuerzeug über den Bau eines Unterschlupfs bis hin zur Navigation und zum Erkennen von essbaren Pflanzen oder dem Fallenbau alles lernen, was ein Überleben in freier Natur ermöglicht. Auch Erste Hilfe oder Selbstverteidigung können – je nach Trainer und Kursart – Trainingsgegenstand sein. Natürlich gibt es auch Kurse, die neueste Technik bewusst integrieren, z.B. GPS und Feuerstahl. Die Hardskills sind ohnehin immer nur ein Teil des Programms.

Indirekt werden auch Improvisationsvermögen, Kreativität und geistige Flexibilität trainiert. Vor allem sollen Teilnehmer sich selbst und die eigenen Möglichkeiten kennenlernen. Denn gerade in ungewohnter Umgebung – und ganz besonders, wenn man aller modernen Hilfsmittel beraubt ist – muss man zunächst das Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigene Person entwickeln, das nötig ist, um auch in potenziell gefährlichen Situationen einen klaren Verstand zu behalten. So gewinnt man eine neue Perspektive auf das eigene Leben und wird wieder stärker mit dem Dasein im Allgemeinen verbunden. Der Blick wird geschärft – für die Welt da draußen und die Seele im Innern.

Auch die Gemeinschaft spielt dabei eine große Rolle. Denn nur in den seltensten Fällen wird man ein solches Überlebenstraining ausschließlich mit dem Trainer bestreiten. Meist findet sich eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen ein, die dieselbe Sehnsucht und derselbe Wunsch verbindet: Unabhängigkeit und Selbstbehauptung. Das Gruppenerlebnis ist dabei ein wichtiger Teil der Selbsterfahrung. Denn gerade die Tatsache, dass alle mehr oder weniger bei Null anfangen, schafft die Voraussetzung für gemeinsames Lernen und gegenseitige Hilfestellung.

Alles nur ein Spiel

Auch wenn ein Überlebenstraining den Teilnehmern mitunter sehr viel abverlangen kann, handelt es sich dabei doch immer um ein spielerisches Erleben einer kontrollierten Grenzerfahrung. Es mag zwar vorkommen, dass man einmal in einem Funkloch „feststeckt“, doch in Deutschland wird man sich schon sehr viel Mühe geben müssen, um tatsächlich verloren zu gehen. Die Zivilisation ist niemals sehr weit entfernt – ganz egal, ob der Kurs im Odenwald, im Spessart, im Harz oder im Erzgebirge stattfindet. Trotzdem oder gerade deswegen kann man einen solchen Kurs auch als eine gute Vorbereitung für längere Wandertouren im Ausland, ausgedehnte Backpacker-Urlaube oder auch Expeditionen in der „wirklichen“ Wildnis nutzen. Nicht zuletzt kann es aber auch einfach darum gehen, dem modernen Alltag für ein paar Tage oder wenigstens Stunden zu entfliehen, das Handy auszuschalten, und sich wieder einmal als einen Teil der Natur zu begreifen – der man schon immer war und auch immer bleiben wird.

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