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Geschrieben: 03. August, 2015 in Mein Haustier
 
 

Unerwünschte Gäste – Parasiten bei der Katze

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Da besonders junge Katzen häufig an Ohrräude leiden, ist hier eine regelmäßige Kontrolle äußerst wichtig

 

 

 

Parasiten bei Katze, Fotoquelle: 123RF

Zecken suchen dünnhäutige Stellen

Sommerzeit ist auch Zeckenzeit. Freilaufende Katzen sollten vor Zecken geschützt werden, denn die Blutsauger übertragen Krankheitserreger. Bei der Katze spielen insbesondere Borrellien eine Rolle. Der Blutverlust ist dagegen unerheblich, kann aber bei massenhaftem Befall ebenfalls zum Tragen kommen. Tierärztin Brigitte Kämpf erinnert sich an den Anruf einer Katzenbesitzerin, die behauptete, „meine Katze hat eine Million Zecken“. Ganz so viele waren es nicht, doch das kleine Tier hatte tatsächlich einige Hundert winzige Zecken dicht an dicht unter anderem am Ohrrand sitzen, die die Tierärztin mit geübtem Griff entfernte. Das funktioniert am besten mit der Zeckenzange, indem möglichst nah an der Einstichstelle, sozusagen zwischen Haut und Zeckenkopf angesetzt und beherzt in möglichst gerader Richtung gezogen wird – aber ohne die Zecke dabei zu drehen. Zecken zu entfernen hat oberste Priorität! Je eher, desto besser, denn die Krankheitserreger gelangen in der Regel erst nach längerer Saugphase, nach etwa zwölf bis 24 Stunden ins Blut des Wirts. Zum Wirt kann auch der Mensch werden, wenn die Stubentiger von ihren Streifzügen Zecken heimbringen. Meist wandern die Blutsauger bis zu zwei Stunden herum, um eine dünnhäutige Stelle beispielsweise an der Schenkelinnenseite zu finden. Es lohnt sich also, seinen Streuner möglichst schnell abzusuchen, ehe sich die Zecken festsetzen. Prophylaktisch wirken Spot-On-Präparate, die auf das Fell aufgebracht werden, oder Zeckenhalsbänder, die bei der Katze jedoch Hautirritationen hervorrufen können. Allerdings entwickeln Zecken zunehmend Resistenzen gegenüber diesen Mitteln. „Viele Präparate wirken nicht mehr“, bedauert Kämpf, was Klaus Kutschmann, Mitglied des Kleintierausschusses der Bundestierärztekammer, nur bestätigen kann. Im Zweifelsfall empfiehlt er, das Präparat zu wechseln. Es gibt Mittel, die Zecken von vornherein abwehren, andere töten die Parasiten ab. Welches Mittel wann eingesetzt werden sollte, weiß der Tierarzt am besten.

Mit dem Kamm gegen Flöhe

Dieselben Mittel wirken auch gegen Flöhe – wobei jedoch auch hier zunehmend Resistenzen festgestellt werden. Flohbefall äußert sich vor allem durch heftigen Juckreiz. Geht der Besitzer mit dem Flohkamm durchs Fell, so fällt auf jeden Fall der bräunliche Flohkot auf. Flöhe selbst werden nicht immer gefunden, zumal sie sich nur zum Blutsaugen auf der Katze aufhalten. Flohkot lässt sich ganz einfach von Dreck unterscheiden, indem er nass gemacht wird. Das funktioniert gut auf angefeuchtetem Küchenpapier. Flohkot färbt sich rot, Dreck wird lediglich dunkler. Bei Flohbefall sollte zum einen der Juckreiz behandelt werden, damit durch das Kratzen keine Entzündungen entstehen. Zum anderen übertragen Flöhe Bandwürmer. Um sie zu bekämpfen dürfen ausschließlich Präparate eingesetzt werden, die für Katzen zugelassen sind. Keinesfalls dürfen Hundepräparate angewendet werden, da diese auf Katzen teilweise toxisch wirken! Mit dem Hausmittel Kokosnussöl machte Kämpf gute Erfahrungen. Warm gemacht und ins Fell geträufelt oder ins Futter gemischt, scheine Kokosnussöl den Zecken- und Flohbefall spürbar zu senken. Daher empfiehlt sie es vor allem Besitzern, die Wert auf biologische Parasitenbekämpfung legen oder bei deren Tieren die handelsüblichen Mittel nicht mehr wirken.

Notoedres cati – Ohrräude juckt stark

Während junge Katzen häufig an Ohrräude leiden, entwickeln ältere Tiere häufig eine natürliche Altersresistenz. Regelmäßige Ohrenkontrollen sind daher vor allem bei jungen Katzen bis zu einem Jahr sehr wichtig, denn die durch Notoedres cati hervorgerufene Hauterkrankung muss unbedingt behandelt werden! Sonst kann aus der Entzündung des äußeren Gehörgangs leicht eine Mittelohrentzündung werden. Betroffene Katzen wackeln auf typische Art mit dem Kopf und kratzen sich häufig mit den Hinterpfoten am Ohr. Die Milben sind mit einer Größe von 0,1 Millimeter gerade so mit bloßem Auge sichtbar. Deutlich erkennbar ist dagegen das bräunlich-gräuliche Sekret, das mit Wattestäbchen vorsichtig aus der Ohrmuschel entfernt werden kann. Den Gehörgang sollte aber nur der Tierarzt reinigen. Zwei bis drei Behandlungen in der Tierarztpraxis sind meist notwendig. Die verfügbaren Präparate wirken in der Regel gut, Resistenzen sind die Ausnahme.

Kopfräude, die früher häufig vorkam, spielt heute praktisch keine Rolle mehr. Würmer dagegen sehr wohl, daher ist es wichtig, freilaufende Katzen regelmäßig zu entwurmen. Die Empfehlung lautet viermal im Jahr. Das sieht Kutschmann jedoch differenziert: „Wo sollen Katzen ohne Freigang Würmer herbekommen?“ Daher plädiert er für individuell angepasste Therapieintervalle. Bei Streunern könne eine Behandlung auch länger als vier Sitzungen dauern.

Toxoplasmose, Kokzidiose und Tritrichomoniasis – Die wichtigsten Einzeller-Parasitosen

Zu den Parasitosen gehören auch Infektionen mit Einzellern wie Toxoplasmen, Giardien, Kokzidien oder Tritrichomonaden. Toxoplasmose ist eine Zoonose, die für Schwangere beziehungsweise deren ungeborenes Kind gefährlich werden kann. Bei Katzen verläuft sie meist latent, also ohne klinische Symptome, kann aber auch bei der Katze zu Totgeburten führen oder im schweren Verlauf – was insbesondere bei Jungtieren zunehmend beobachtet wird – mit Dickdarmdurchfällen und neurologischen Symptomen einhergehen. Wenn Schwangere keine Antikörper gegen Toxoplasmen besitzen, sollte besonders auf Hygiene in der Wohnung geachtet und das Katzenklo nicht von der Schwangeren gereinigt werden. Häufiger als durch den Stubentiger erfolgt eine Infektion des Menschen jedoch über rohes (Schweine)fleisch, Rohwurst oder rohen Schinken.

Kokzidien machen vor allem bei Jungtieren in Zuchten und Tierheimen Probleme. Auch Giardien befallen in erster Linie Welpen. Auf den Menschen werden sie meist durch mangelnde Hygiene bei der Lebensmittelzubereitung und seltener durch das Tier direkt übertragen. „Grundsätzlich werden alle Einzeller-Parasitosen eher unterdiagnostiziert“, sagt Thomas Steidl, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kleintiere der Bundestierärztekammer. Einen gewissen Hype gebe es derzeit bei Tritrichomonaden, die vermehrt gefunden würden. Auch sie verursachen eher unspezifische Infektionssymptome wie Durchfall mit häufigem, wässrigem, manchmal auch blutigem Kot, seltener Erbrechen. Die Diagnose und die – häufig leider langwierige – Therapie der Einzeller-Parasitosen gehören auf jeden Fall in tierärztliche Hand.

Autorin: Dr. med. vet. Andrea Hammerl

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