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Geschrieben: 08. August, 2014 in Gesundheit | Hals-Nasen-Ohren
 
 

Wasser im Ohr: Ein gesundheitliches Risiko?

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Wer kennt es nicht: Nach einem sonnigen Tag im Schwimmbad, an dem man vom vergnügten Planschen bis zu ausgiebigen Besuchen des Kiosks nichts ausgelassen hat, verbleibt ein Mischduft aus Chlor und Sonnencreme in der Nase und alles hört sich irgendwie ein wenig dumpf an. Wasser im Ohr gehört gerade im Sommer zum Alltag, doch birgt es auch gesundheitliche Risiken?


Wasser im Ohr: In seltenen Fällen führt es zur Entzündung, Fotoquelle: 123RF

Der Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde von der Uni-Klinik Freiburg Roland Laszig sieht im Wasser an sich kein gesundheitliches Risiko für das Ohr: „Krank machen kann es aber, wenn es verdreckt ist.“ (Quelle: spiegel.de) Eine Entzündung im äußeren Gehörgang kann in der Folge auftreten. Bakterien, die gegen Chlor und Salz resistent sind und die verstärkt im Wasser von Schwimmbädern auftauchen, sind die Erreger dieser Krankheit.

Schutzfunktion durch Wasser geschwächt

Diese Bakterien können nur deshalb für das Ohr gefährlich werden, weil das Wasser dessen Schutzfunktion beeinträchtigt. Das Wasser sorgt dafür, dass die Haut aufgeweicht wird, woraufhin die Erreger ungehindert in das Gewebe einfallen können. Auch eine andere schützende Instanz im Ohr, der Ohrenschmalz, wird durch Flüssigkeit angegriffen. Der zähe Ohrenschmalz, der von Drüsen im äußeren Gehörgang ausgeschieden wird, wirkt wasserabweisend, befeuchtet die Haut und befördert abgestorbene Hautzellen, Fremdkörper und Schmutz aus dem Ohr. Darüber hinaus hält er durch seinen bitteren Geschmack Bakterien und Insekten vom Ohr fern und tötet Dank eines in ihm enthaltenen Enzyms Mikroorganismen ab.

Das Problem eines entzündeten Gehörgangs betrifft insgesamt nur eine Minderheit der sommerlichen Badegäste. Zahlen der US-Gesundheitsbehörde zufolge tauchen in den USA unter 1000 Patienten, die in eine Ambulanz oder Notfallstation kommen, durchschnittlich acht Fälle mit einem entzündeten Ohr auf. Laszig führt diesbezüglich aus: „Es fällt aber schon auf, dass im Sommer mehr solche Patienten in die Klinik kommen.“ Auch die Zahlen aus den USA betätigen diese Tendenz.

Wattestäbchen sind überflüssig

Nach dem Baden sollte man also das Wasser aus dem Ohr befördern. Hierfür kann man viele Techniken anwenden: Auf die Seite legen, drehen, hüpfen oder Unterdruck im äußeren Gehörgang aufbauen. Nur Gegenstände und Wattestäbchen haben im Ohr nichts zu suchen. Laszig hält den Einsatz von Wattestäbchen grundsätzlich für unangebracht: „Sie sind auch für die alltägliche Pflege völlig überflüssig.“ Die Stäbchen schieben den Ohrenschmalz und somit auch die Bakterien und den Schmutz tiefer in den Gehörgang, wo sich dann ein Pfropf vor dem Trommelfell bilden kann, der anschließend mit ärztlicher Hilfe entfernt werden muss. Wer die Gesundheit seiner Ohren schützen will, dem rät Laszig, sie am besten in Ruhe zu lassen. „Das meine ich wortwörtlich“, fügt er hinzu.

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