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Geschrieben: 01. April, 2015 in Mein Haustier | Ratgeber Tipps & Trends
 
 

Welche Versicherung Tierhalter haben sollten

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Wenn der Hund den Postboten in die Waden beißt…

Läuft Bello unvermittelt über die Straße und verursacht einen Unfall, kommen auf den Hundehalter nicht nur Sorge um seinen Vierbeiner und Tierarztkosten zu, sondern gegebenenfalls auch hohe Schadensersatzforderungen – vor allem wenn Menschen verletzt wurden.

Fotoquelle: 123RF,  Vierbeiner beim Tierarzt

„Eine Haftpflichtversicherung für Tierhalter ist daher ein Muss“, erklärt Leo Pallmann, unabhängiger Versicherungsmakler, „denn wie beim Kraftfahrzeug gilt für Hunde-, aber auch für Pferdehalter die sogenannte Gefährdungshaftung“.Die besagt, dass der Tierhalter im Fall des Falles seine Unschuld beweisen muss. In der Privathaftpfl icht dagegen gilt die sogenannte Verschuldenshaftung – der beschuldigten Person muss die Schuld nachgewiesen werden. Mitversichert in der Privathaftpfl icht sind Schäden, die durch Hauskatzen verursacht wurden. Für die Mieze muss also keine eigene Tierhalterversicherung abgeschlossen werden.

Für Hunde schreiben manche Bundesländer eine Haftpflichtversicherung zwingend vor, so Niedersachen, Thüringen, Sachsen-Anhalt sowie die Stadtstaaten Berlin und Hamburg. In der Regel muss die Versicherung abgeschlossen werden, sobald der Welpe drei Monate alt ist. Einige weitere Bundesländer schreiben die Versicherung für Kampfhunde oder als gefährlich eingestufte Tiere vor. Andere differenzieren nach Körpergröße und Gewicht, wie Nordrhein-Westfalen, wo ab einer Schulterhöhe von 40 Zentimetern und einem Gewicht von 20 Kilogramm Versicherungspfl icht besteht (Quelle: fi nanzen.de). Empfohlen aber wird die Tierhalterhaftpfl icht grundsätzlich. „Ein Tier ist ein Tier, und sei es auch noch so gut erzogen – es kann immer vorkommen, dass sich das Tier situationsbedingt anders verhält“, sagt Cornelia Schmidt, Vertriebsleiterin der auf Tierversicherungen spezialisierten Uelzener Versicherungen. Ob Waldi den Postboten in die Waden zwickt oder einen Radfahrer zu Fall bringt – der finanzielle Schaden kann schnell vier oder fünfstellig werden. Schmidt hat einige Beispiele aus dem Versicherungsalltag parat. Ein Bänderriss, entstanden, als ein Hund eine Person umrannte, summierte sich auf 20.000 Euro; ein Pferd, das durch einen Tritt schwerste Gesichts- und Kopfverletzungen hervorrief, verursachte Kosten von 100.000 Euro, da die Geschädigte durch den Tritt erblindete.

Für Reitstallbesitzer gibt es spezielle Haftpfl ichtversicherungen, die unter anderem Schäden an den dort eingestellten Pferden abdecken. Auch Reiter mit Reitbeteiligung sollten eine Haftpfl ichtversicherung haben, denn wenn das Fehlverhalten einer dritten Person ursächlich ist, dass ein Tier einen Schaden verursacht, dann haften manche Tierhalterversicherungen nicht, warnt Pallmann. „Bei uns sind Reitbeteiligungen grundsätzlich mitversichert“, erklärt Schmidt.

Wenn der Vierbeiner zum Doktor muss, kann es teuer für Herrchen werden. Vorsorge ist möglich

Wesentlich weniger verbreitet als Haftpflichtversicherungen sind Krankenversicherungen für Tiere. Während Dr. med. vet. Klaus Kutschmann, Vizepräsident der Landestierärztekammer Sachsen- Anhalt und Landesvorsitzender des bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte), „ohne Wenn und Aber“, die Haftpflichtversicherung bejaht, sieht er bei Krankenversicherungen für Tiere noch Luft nach oben. Nur etwa fünf Prozent seiner Patientenbesitzer, so schätzt er, haben ihr Tier versichert. Die Tierärzte würden sich eine höhere Quote wünschen, sagt er, denn die Tiermedizin habe sich sprunghaft weiterentwickelt. Ob Herzkatheter, künstliche Hüftgelenke oder Linsen für das Auge – was in der Humanmedizin gemacht wird, hält über kurz oder lang auch in der Tiermedizin Einzug. Da kommen vierstellige Summen für eine OP des Hundes schnell zusammen. „1500 oder 2000 Euro tun Otto Normalverbraucher schon weh“, weiß Kutschmann. Mit etwa 20 Euro monatlich können Hundehalter das OP-Risiko absichern, für eine Krankenvollversicherung muss mit etwa dem Fünffachen gerechnet werden, weshalb Kutschmann „die Tarife in Deutschland als problematisch“ ansieht. In Großbritannien würden viel mehr Tiere versichert, entsprechend günstiger lägen die Tarife. Für manche „tierarztfreundlichen Rassen“ wie die krankheitsanfälligen französischen Bulldoggen könne sich eine Krankenversicherung schon lohnen. Gerade, wenn das Geld knapp ist, beispielsweise bei jungen Reiterinnen, die geradeso die Unterstellgebühren für ihr Pferd zusammenkratzen, empfiehlt Pallmann eine Krankenversicherung. Denn wenn etwas passiere, sei die Not sonst groß. Schmidt rät wenigstens zu einer OP-Kostenversicherung, die kostenintensive Risiken abdecke. Häufig nachgefragt würden auch Rundumpakete, die Haftplicht, OP- und Behandlungskosten abdecken, mitunter noch privater Tierhalter- Rechtsschutz und eine Unfallversicherung des Halters.

Versichern lassen sich auch Kastration, Trächtigkeit und Transporte. Das Angebot ist groß. Wichtig ist für den Tierhalter, genau hinzuschauen, was er absichern möchte und die Policen zu vergleichen. Viele Versicherungsgesellschaften haben Tierversicherungen im Angebot, von A wie Allianz bis V wie VHV. Manche Versicherungen differenzieren zwischen verschiedenen Rassen oder nach Gewicht des Tieres, erstatten nur bis zu Höchstgrenzen oder schließen bestimmte Leistungen aus. „Der Tierbesitzer sollte sich umfassend informieren und das Beratungsangebot der Versicherer nutzen“, rät Schmidt.

Autorin: Dr. med. vet. Andrea Hammerl

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