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Geschrieben: 29. September, 2014 in Immunsystem
 
 

Wieso schwangere besonders unter einer Grippe leiden

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Schwangere neigen bei Grippewellen verstärkt zu Lungenentzündung. US-Forscher haben jetzt die Ursache erforscht und raten werdenden Müttern zu einer Impfung. Allerdings hat die Studie noch Schwächen.

 


Schwanger mit Grippe, Fotoquelle 123RF

Das Immunsystem schwangerer Frauen reagiert auf Grippeviren überraschend heftig. Während Mediziner bisher glaubten, die Körperabwehr werdender Mütter antworte geschwächt auf Infektionen, zeigt eine US-Studie, dass sie stattdessen bei Grippeviren überreagiert. Dies erkläre, warum eine Grippe Schwangeren besonders heftig zusetze, schreiben die Forscher in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“).

Bisher dachten Mediziner, das Immunsystem sei bei Schwangeren „nach unten“ reguliert und damit geschwächt. Um das zu prüfen, entnahmen die Forscher um die Immunologin Catherine Blish von der kalifornischen Stanford University 21 Schwangeren und 29 anderen Frauen mehrmals Blut: unmittelbar vor einer Impfung mit inaktiven Grippeviren, sieben Tage später und sechs Wochen nach der Entbindung.

Die aus dem Blut isolierten Immunzellen setzten die Forscher im Labor Erregern des Influenza-Stammes H1N1 – der als Schweinegrippe bekannt wurde – und der saisonal auftretenden Variante H3N2 aus.

Starke und erhöhte Reaktionen

Im Vergleich zu den anderen Frauen reagierten bei Schwangeren zwei Gruppen weißer Blutkörperchen heftiger auf die Infektion: Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) und T-Zellen produzierten verstärkt Zytokine und Chemokine. Diese Signalstoffe verschärfen Entzündungsreaktionen im Körper.

„Wenn die Chemokin-Werte zu hoch sind, kann das zu viele Immunzellen herbeilocken“

, wird Blish in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. „In einer Lunge, wo man Raum für Luft braucht, ist das schlecht.“ Dies könne erklären, warum Schwangere bei Grippewellen verstärkt zu Lungenentzündung neigten, mit einem ggf. tödlichem Ausgang – dies aber nur in extremen Fällen.

Hyperentzündliche Erkrankung

„Das Gesamtergebnis hat uns überrascht“, sagt Blish. „Wir wissen jetzt, dass eine schwere Grippe während der Schwangerschaft eine hyperentzündliche Erkrankung ist und kein Zustand der Immunschwäche. Das bedeutet, dass die Grippetherapie bei Schwangeren mehr darauf abzielen sollte, die Immunantwort zu regulieren, als sich um die Vermehrung des Virus zu sorgen.“

Bislang bekommen grippekranke Schwangere vor allem Medikamente, die die Vermehrung der Viren hemmen sollen. Künftig könne man Wirkstoffe entwickeln, die die Immunreaktion modulieren und Zytokine sowie Chemokine hemmen, schreiben die Wissenschaftler. Ein Rat für Schwangere: Sich vor Grippekomplikationen zu schützen, indem sie sich impfen lassen.

Die Forscher räumen jedoch ein, dass die Studie aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht repräsentativ sei und in einem größerem Umfang durchgeführt werden sollte. Ob das Immunsystem Schwangerer auch auf andere Viren so heftig reagiere, müsse noch geprüft werden, betonten sie.

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