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Geschrieben: 22. August, 2014 in Gesundheit | Zahnpflege/ Zähne
 
 

Zähneputzen: Auf die Technik kommt es nicht an

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Wohin man sieht, überall scheint es unterschiedliche, vielversprechende Methoden zu geben, wie man seine Zähne sauber hält. In der Schule äußert sich dies über Wandtafeln am Kartenständer, aber auch Broschüren, Klappmappen und Zeichentrickfilme wollen einem die beste Vorgehensweise nahelegen. Doch ob man nun mit der Bürste kreist, rotiert oder vibriert, keine der Techniken erweist sich letztlich als herausragend.

Das Entscheidende beim Zähneputzen ist nicht die Technik, Fotoquelle: 123RF

Eine Gruppe britischer Zahnmediziner und Epidemiologen, die gerade eine Studie im British Dental Journal (online) publiziert haben, fand heraus, dass die unterschiedlichen Techniken des Zähneputzens nicht zwangsläufig zu besseren oder schlechteren Ergebnissen führen. John Wainwright und Aubrey Sheiham vom University College London halten die großen Unterschiede in den Empfehlungen zur richtigen Zahnputztechnik für ungerechtfertigt und empfehlen, es mit der Ausgefallenheit der Putztechnik nicht zu übertreiben: „Es gibt keinen Beweis dafür, dass die komplizierten Techniken besser sind als einfaches, vorsichtiges Bürsten.“ (Quelle: sueddeutsche.de)

Irritierendes Durcheinander der Empfehlungen

In zehn unterschiedlichen Ländern überprüften die Zahnärzte, welche Techniken der Zahnreinigung von Fachorganisationen, Herstellern von Zahnbürsten, Zahnärzten und in zahnmedizinischen Lehrbüchern vorgeschlagen wurden. Was die Zahnmediziner herausfanden, war zum einen ein chaotisches Nebeneinander verschiedenster Techniken. Zum anderen gab es bei keiner der vorgeschlagenen Techniken eine Empfehlung, die sich auf eine wissenschaftliche Begründung stützte. Was die Gruppe besonders aufrüttelte, war „dass die Empfehlungen von zahnmedizinischen Fachverbänden manchmal dem widersprachen, was als beste Putzmethode in den Lehrbüchern geraten wurde.“

Ebenfalls irritierend fanden die Zahnmediziner, dass die im Umlauf befindlichen Ratschläge meist veraltet waren. Bezüglich einer patientenrelevanten Wissenschaft ist die Zahnheilkunde noch lange nicht auf dem Stand der Humanmedizin. Die evidenzbasierte Zahnmedizin, in der Vor- und Nachteile der diagnostischen und therapeutischen Eingriffe ausgelotet werden können, steht noch am Anfang ihrer Entwicklung. Hinterfragt man beispielsweise die Notwendigkeit der Implantate oder den Nutzen von Klammern, so kann auf viel Erfahrung, aber auf wenig Nutzenbelege zurückgegriffen werden. Fälle aus der Humanmedizin haben desöfteren gezeigt, dass Erfahrung trügerisch kann.

Gründlichkeit ist wichtig

Die Londoner Zahnmediziner raten dazu, behutsam horizontal zu bürsten. Die Entfernung von Belägen erfolgt ihrer Ansicht nach am besten im 45-Grad-Winkel. „Ich rate meinen Patienten, sich auf die Zahnpflege dort zu konzentrieren, wo sich Plaques am wahrscheinlichsten bilden – und das sind die Kauflächen und der Übergang vom Zahn zum Zahnfleisch“, erklärt Wainwright. Der an der Unizahnklinik Tübingen tätig gewesene Professor in Krems Rainer Hahn erklärt, dass es keinen wesentlichen Unterschied macht, ob man elektrisch oder von Hand reinige: „Hauptsache gründlich. Nur dieses Wohlfühl-Putzen mit ein bisschen Schaum reicht nicht.“

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