Geschrieben: 04. September, 2020 in Ratgeber Tipps & Trends
 
 

Bis zu +46 %: Corona treibt Medikamentenpreise an



Als Folge der Corona-Krise explodierte im März die Nachfrage nach rezeptfreien Medikamenten. Diese wurden daraufhin teurer. Mittlerweile haben sich die Nachfragemengen wieder normalisiert – auch die Preise?

Medikamente mit Nachfrageplus von 800 %

Anmerkung vorweg: Die folgenden Prozentwerte spiegeln jeweils den Vergleich zum Vorjahresmonat wider und stammen vom Preisvergleichsportal idealo.de.

Im März dieses Jahres stieg die Nachfrage nach rezeptfreien Medikamenten insgesamt um mehr als 800 %. Einen besonders großen Ansturm gab es auf Erkältungs- und Schmerzmittel.

Erkältungsmittel werden wieder billiger

Erkältungsmittel wurden im März mehr als dreimal so oft nachgefragt (+220 %) und im Zuge dessen um 40 % teurer. Im Juni waren derlei Präparate immer noch um 11 % teurer, obwohl die Nachfrage wieder gesunken war – sogar knapp unter Vorjahresniveau.

Schmerzmittel und Antiallergika bleiben teuer

Bei Schmerzmitteln wiederum trat keine Erholung ein. Im März schoss die Nachfrage um 269 % in die Höhe, der Preis stieg um 22 %. Dann fiel die Nachfrage rapide ab und lag im Juni wieder auf Vorjahresniveau – der Preis hingegen blieb unverändert hoch.

Weitere März-Preistreiber waren Antiallergika (+46 %) und Magen-Darm-Medikamente (+32 %), bei denen ein ähnlicher Effekt wie bei Schmerzmitteln zu beobachten war: Antiallergika waren im Juni immer noch um 33 % teurer, Magen-Darm-Medikamente um 26 %.

Medikamentenpreise sinken nur langsam

Kumuliert betrachtet waren rezeptfreie Medikamente im März um 15 % teurer und im Juni immer noch um 9 %. Der Preisanstieg ist einerseits die Folge der enormen Nachfrage und liegt andererseits am Corona-bedingten Produktionsrückgang vieler Grundstoffe, speziell in asiatischen Ländern wie China oder Indien.

Hausapotheke kostet fast 100 EUR

Grafik: Beliebte Medikamente aus der Hausapotheke im Preisvergleich (idealo)

Idealo hat einen repräsentativen Warenkorb zusammengestellt, gefüllt mit elf beliebten Medikamenten, die in einer Hausapotheke standardmäßig vorkommen. Der Preis des Warenkorbs von etwa 97 EUR ging von März auf Juni zwar leicht zurück – das war aber auch im Vorjahr der Fall, folglich blieb der Preisanstieg über drei Monate konstant bei +20 %.

In dieser Grafik sind die einzelnen Produkte aufgelistet, jeweils mit den März-Preisen von 2019 und 2020 samt prozentualer Differenz. Eines sticht ins Auge: Der Preis von ratiopharm Paracetamol hat sich fast vervierfacht (+293 %). Und nur ein einziges Produkt wurde billiger: Ibuprofen-Tabletten von Heumann (-36 %).

Ibuprofen vs. Paracetamol

Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen waren in den letzten beiden Jahren auf idealo.de am beliebtesten. Diesen März gab es einen krachenden Führungswechsel: Die Nachfrage nach Paracetamol-Tabletten hat sich fast verzehnfacht!

Fazit: Dauerhaft höhere Medikamentenpreise

Die Corona-Krise verursachte im März 2020 auf dem Medikamentenmarkt einen Nachfrageboom. Der ebbte allerdings fast so schnell wieder ab, wie er gekommen war. Der Preisanstieg hingegen geht – wenn überhaupt – deutlich langsamer zurück: Es ist mit dauerhaft höheren Preisen für rezeptfreie Medikamente zu rechnen.