Heuschnupfen: Symptome, Diagnose, Behandlung und Tipps für den Alltag
Heuschnupfen ist eine der häufigsten Allergien, und seine Zahl steigt seit Jahrzehnten. Man spricht sogar von einer „Epidemie des 21. Jahrhunderts“. Sobald die Pollen fliegen, beginnt für Allergiker eine harte Zeit. In Deutschland leiden inzwischen 12 Millionen Menschen darunter, 70 % mehr als 1990.
Heuschnupfen: Warum immer mehr Menschen betroffen sind
Die Ursachen für Heuschnupfen sind vielfältig. Meist entwickelt er sich bereits in der Kindheit und im Jugendalter. Immer häufiger tritt er jedoch auch erstmals im Erwachsenenalter auf.
Zu den Ursachen für die starke Zunahme zählen unter anderem:
- genetische Veranlagung
- Fehlreaktion und übersteigerte Abwehrreaktion des Immunsystems
- hohe Belastung des Organismus durch Allergene und Schadstoffe
- Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung
- Lebensstil
Beim saisonalen Heuschnupfen lösen vor allem Gräser- und Getreidepollen (besonders Roggen) die Beschwerden aus. Dazu kommen Baumpollen, zum Beispiel von Kätzchenblühern wie Birke, Erle und Haselnuss.
Klimawandel und Pollenflug: Warum die Saison früher beginnt
Der weltweite Temperaturanstieg der letzten 30 Jahre sorgt dafür, dass die Allergien immer früher im Jahr auftreten. So haben sich die Blühzeiten von Erle und Birke nach vorne verlängert. Hochsensible Heuschnupfen-Patienten reagieren deshalb schon im Januar mit den typischen Symptomen.
Den Pollen zu entgehen ist nahezu unmöglich. Insekten oder Wind verbreiten den Pollen von Gräsern, Sträuchern, Bäumen, Getreide, Blumen und Kräutern. Besonders die Windblütler produzieren große Mengen kleiner Pollen. Der Wind kann diese über mehrere hundert Kilometer weit transportieren.
Was ist Heuschnupfen?
Heuschnupfen ist eine allergische Erkrankung. Dabei reagiert der Körper überempfindlich auf die Eiweißbestandteile bestimmter Pollen. Die Allergene binden sich an bestimmte weiße Blutkörperchen. Dieser Kontakt setzt über eine Stoffwechselkaskade Histamin aus den Mastzellen frei. Das Histamin löst dann die typischen Beschwerden einer Allergie aus.
Mit der Atemluft gelangen die Pollen auf die Nasenschleimhaut. Die oberen Atemwege stehen wegen ihrer immunologischen Aufgaben ohnehin ständig in Kontakt mit Allergenen. Deshalb kann die Reizung auch die tieferen Atemwege erfassen.
Diese Symptome zeigen sich bei Heuschnupfen
Je höher die Pollenkonzentration ist, desto stärker sind die Beschwerden. Typisch sind:
- Augentränen, Augenjucken, Schwellung und Rötung der Augen, Lichtempfindlichkeit
- Niesreiz sowie Kribbeln in Nase und Rachenraum
- Fließschnupfen oder verstopfte Nase
- Husten
- Atemnot und Asthmaanfälle
Außerdem kann sich der Allgemeinzustand verschlechtern. Dann kommen Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen hinzu. Auch Fieber kann auftreten, ist bei Heuschnupfen aber eher selten. Bei Fieber sollten Sie daher auch an eine Erkältung denken.
Wie stellt man eine Pollenallergie fest?
Manchmal lässt sich Heuschnupfen schwer von einer Erkältung unterscheiden, denn die Symptome ähneln sich. Gehen Sie zum Allergologen, wenn im Frühjahr oder Sommer ein Schnupfen ohne erkennbare Ursache auftritt. Das gilt auch, wenn er nach mehreren Wochen nicht abklingt.
Zuerst macht der Arzt in der Regel einen Hauttest. Dabei bringt er Pollenextrakte auf die Haut und ritzt diese leicht ein. Besteht eine Allergie, bilden sich innerhalb von 20 Minuten Rötungen oder Quaddeln.
Ergänzend kann eine Blutuntersuchung folgen, der RAST-Test. Er weist spezifische Antikörper gegen die Pollen nach. Je höher ihre Zahl ist, desto stärker ist die Allergiebereitschaft. Im Zweifel bestätigt ein Provokationstest die Diagnose. Dabei sprüht der Arzt verdächtige Pollenarten auf die Nasenschleimhaut und prüft die Reaktion.
Behandlung von Heuschnupfen: Das hilft
Der beste Weg ist, die Pollen möglichst zu meiden. Das ist allerdings äußerst schwierig. Der Pollenflugwarndienst zeigt aber, wann bestimmte Pollen fliegen.
Hyposensibilisierung: Sie findet in der pollenfreien Zeit statt. Dabei soll das Immunsystem unempfindlich gegen die Pollen werden. Der Arzt spritzt dem Patienten dafür über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) das Allergen, das die Reaktion auslöst.
Medikamente: Meist kombiniert der Arzt mehrere Wirkstoffe. Sie sollen die allergische Entzündungsreaktion verhindern und die Symptome lindern. Antihistaminika blockieren die Wirkung des Histamins, das die typischen Symptome verursacht. Kortikoide wirken stark und hemmen die Entzündung der Schleimhäute. Lokale Mastzell-Stabilisatoren wie Dinatrium-Cromoglykat (DNCG) gibt es als Augen- oder Nasentropfen. Sie verhindern die Ausschüttung von Histamin.
Alternative Methoden bei Pollenallergie
Manche Patienten setzen zusätzlich auf naturheilkundliche Verfahren. Sie sollen nicht nur die Symptome des Heuschnupfens unterdrücken, sondern auch die Ursache behandeln. Dafür kombiniert man mehrere Methoden individuell. Zum Beispiel kommen infrage:
- Akupunktur
- homöopathische Eigenblutbehandlung
- neuraltherapeutische Entstörung
- Darmsanierung (Darmdysbioselenkung)
- Störfeldsuche mit energetischen Messmethoden, etwa die Klärung von Zahnstörfeldern oder einer möglichen Amalgambelastung
Für die meisten dieser Verfahren fehlt ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis. Sie ersetzen deshalb keine ärztliche Behandlung.
Tipps für den Alltag mit Heuschnupfen
Mit diesen Maßnahmen verringern Sie den Kontakt mit Pollen:
- Schlafen Sie bei geschlossenem Fenster oder bringen Sie Pollenschutzgitter an.
- Meiden Sie Sport im Freien, solange die Pollen fliegen.
- Beachten Sie Pollenflugvorhersagen in Radio, Internet und Zeitung.
- Saugen Sie regelmäßig mit einem Staubsauger mit Mikrofilter und wischen Sie häufig feucht.
- Reduzieren Sie den Aufenthalt im Freien und duschen Sie danach.
- Waschen Sie die Haare täglich.
- Wechseln Sie die Kleidung täglich, waschen Sie sie sofort und bewahren Sie sie nicht im Schlafzimmer auf.
- Trocknen Sie Bettwäsche nicht draußen, wenn die Pollen fliegen.
- Bauen Sie einen Pollenfilter im Auto ein.
- Verzichten Sie lieber auf Rasenmähen und Gartenarbeit.
- Nehmen Sie Medikamente wie verordnet ein.
- Planen Sie den Urlaub in pollenarmen Regionen, zum Beispiel am Meer oder im Hochgebirge.
Kreuzallergie: Wenn Nahrungsmittel Beschwerden machen
Etwa jeder zweite Pollenallergiker leidet zusätzlich unter einer Kreuzallergie. Dabei reagiert er überempfindlich auf Nahrungsmittel, die botanisch mit der Pollenart verwandt sind. Bei einer Allergie gegen Baumpollen kann zum Beispiel nach dem Essen von Stein- oder Kernobst Brennen im Mund oder an den Lippen auftreten. Wer solche Beschwerden bei Heuschnupfen bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.




