Hämorrhoiden – Schluss mit dem Tabu und offen über Beschwerden sprechen
Zweifellos sind Hämorrhoiden ein Tabuthema, über das niemand gerne spricht. Für viele Betroffene ist die Scham so groß, dass sie lieber still leiden, als sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Das ist schade, denn vor allem im Anfangsstadium bekommt man das Problem leicht wieder in den Griff. Alles zum Thema – Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Hämorrhoiden – erfahren Sie in diesem Artikel.
Was versteht man unter vergrößerten Hämorrhoiden?
Tatsächlich haben wir alle Hämorrhoiden. Es handelt sich dabei um ringförmige Gefäßpolster, die sich direkt vor dem After im unteren Enddarm befinden. Gemeinsam mit dem Schließmuskel sorgen sie dafür, dass der After dicht schließt und unterstützen die Stuhlkontrolle. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich vergrößern, entzünden und/oder nach außen treten. Man spricht dann auch von einem Hämorrhoidalleiden.
Solche krankhaften Veränderungen gehen nicht nur mit unangenehmen Symptomen einher, sondern werden aus Scham auch oft verschwiegen. Dabei handelt es sich um ein durchaus häufiges Problem, das mit der richtigen Behandlung rasch behoben ist. Bleiben vergrößerte Hämorrhoiden allerdings unbehandelt, können sie sich im Laufe der Zeit verschlimmern. Grundsätzlich unterscheidet man vier Schweregrade. Während die Hämorrhoiden bei Grad 1 vergrößert, aber nicht von außen sichtbar sind, treten sie bei Grad 2 beim Pressen kurzzeitig aus, ziehen sich allerdings von selbst wieder zurück. Bei Grad 3 fallen die Gefäßpolster beim Pressen vor und ziehen sich nicht von selbst wieder zurück. Sie müssen also wieder zurückgeschoben werden. Grad 4 ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Hämorrhoiden dauerhaft außerhalb des Afters befinden und nicht mehr in die richtige Position gebracht werden können.
Welche Symptome treten auf?
Je nach Schweregrad des Hämorrhoidalleidens plagen sich Betroffene mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Symptomen. Diese sind unter anderem:
- Juckreiz und Brennen in der Analregion
- Blutungen (hellrotes Blut am Toilettenpapier oder im Stuhl)
- Nässen, Schleimabsonderungen und Stuhlschmieren
- Fremdkörpergefühl
- Schwellungen und Knotenbildung im Analbereich (Hämorrhoiden sind von außen sichtbar)
- Schmerzen (insbesondere im fortgeschrittenen Stadium)
Was sind die Auslöser für ein Hämorrhoidalleiden?
Vergrößerte Hämorrhoiden entstehen nicht aus heiterem Himmel, sondern gehen in der Regel mit einem erhöhten Druck im Bereich von Rektum und Anus einher. Dafür kann es verschiedene Gründe geben:
- Chronische Verstopfung: Das starke Pressen beim Stuhlgang ist mit hohem Druck verbunden.
- Langes Sitzen (insbesondere auf der Toilette)
- Schlechte Ernährungsgewohnheiten: Zu wenig Ballaststoffe und mangelnde Flüssigkeitsaufnahme sorgen für verhärteten Stuhl und begünstigen eine Verstopfung.
- Bewegungsmangel: Mangelnde Bewegung geht häufig mit einer trägen Darmtätigkeit einher, was die Verstopfung ebenfalls begünstigt.
- Übergewicht: Das zusätzliche Gewicht übt Druck auf den Beckenbereich aus und kann venöse Stauungen und damit vergrößerte Hämorrhoiden begünstigen.
- Schwangerschaft: Sowohl der vermehrte Druck im Beckenbereich als auch hormonelle Veränderungen können zu vergrößerten Hämorrhoiden führen.
- Regelmäßiges schweres Heben: Dieses geht mit einem erhöhten Druck im Bereich des Rektums einher.
- Veranlagung: Eine familiäre Veranlagung kann die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens begünstigen.
- Alterungsprozess: Der natürliche Alterungsprozess trägt dazu bei, dass das Gewebe schlaffer wird, was vergrößerte Hämorrhoiden hervorrufen kann.
Was geschieht bei der ärztlichen Untersuchung?
Um ein Hämorrhoidalleiden diagnostizieren zu können und den Schweregrad abzuschätzen, ist eine Untersuchung von Anus und Rektum notwendig. Während vergrößerte Hämorrhoiden von außen sichtbar sind, können innenliegende Schwellungen im Rahmen einer rektalen Tastuntersuchung erkannt werden. In manchen Fällen wird eine Proktoskopie durchgeführt. Hierbei wird der Analkanal mithilfe eines speziellen Instruments genauer untersucht.
Wie werden vergrößerte Hämorrhoiden behandelt?
Die Behandlung vergrößerter Hämorrhoiden ist von der Ausprägung abhängig. In leichten Fällen ist eine konservative Therapie mit Salben, Cremes oder Zäpfchen häufig ausreichend. Sitzbäder wirken unterstützend. Manchmal sind kleine ambulante Eingriffe notwendig. Hier kommen vor allem die Verödung (Sklerosierung) oder die Gummibandligatur zum Einsatz. Bei der Verödung wird eine Substanz injiziert, die die Blutgefäße zum Schrumpfen bringt. Bei der Gummibandligatur wird ein Gummiband um die Hämorrhoiden gelegt, sodass das Gewebe abstirbt. Beide Verfahren sind nahezu schmerzfrei. Bleiben diese Maßnahmen ohne Erfolg, müssen die vergrößerten Hämorrhoiden chirurgisch entfernt werden.
Einem Hämorrhoidalleiden kann man vorbeugen
Oft ist Vorsicht besser als Nachsicht. So tragen einfache Maßnahmen dazu bei, vergrößerten Hämorrhoiden vorzubeugen. Eine ballaststoffreiche Ernährungsweise, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung halten den Darm in Schwung und erleichtern den Stuhlgang. Suchen Sie die Toilette erst auf, wenn Sie wirklich auf die Toilette müssen, und vermeiden Sie es, dabei übermäßig zu pressen. Bleiben Sie außerdem nicht länger am stillen Örtchen als notwendig – etwa um zu lesen –, da die Sitzhaltung den Druck im Analbereich erhöht.



