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Geschrieben: 21. August, 2009 in Heilpflanzen
 
 

Heilpflanze – Schlehe

Naturheilkunde
Naturheilkunde
„Gerücht ist eine Pfeife, die Argwohn, Eifersucht, Vermutung bläst“. Die Natureilpflanze Schlehe ist wahrscheinlich der wilde Vorfahr unserer Zwetschgen / Pflaumen. Im Frühjahr, noch lange bevor der Flieder und die Schlüsselblumen blühen, sieht man von Ferne weiße, blütenbedeckte Sträucher auf brauner, karger Erde blühen. Man ist fast versucht „Typisch“ zu sagen, denn es immer das Gleiche mit der Schlehe: man hat keine Zeit abzuwarten bis sich die Blätter ausgebildet haben, nein, zuallererst müssen die Blüten ans Tages- und Sonnenlicht.

Dabei geschieht dies keineswegs still und leise, sondern mit geballter Lebensfreude. Die Sträucher scheinen unter einem weißen Blütenberg fast zusammenzubrechen. Doch die Schlehe ist nicht nur ein Botschafter des herannahenden Frühlings, nein, sie ist auch eine mütterliche Pflanze, die mit offenen Zweigen gibt: Nahrung, Schutz, Geborgenheit für Mensch und Tier. Der Schlehenstrauch kann bis zu 2-3 Metern hoch werden, hat dicht verzweigte Äste und einen lange, spitze Dornen, die das Pflücken der Blüten und Früchte zu einem absoluten Härtetest für jede Jacke werden lassen. Die Rinde ist tiefdunkel, weswegen man früher häufig durch Auskochen der selben Tinte hergestellt hat. So mancher Mönch schrieb in den Scriptorien mit dieser Tinte. Leider war sie nur wenig lichtbeständig, weswegen man zu anderen Materialien übergewechselt ist. Die Blätter der Schlehe sind elliptisch und am Rand doppelt gesägt. Gegen September sind aus den Blüten etwa 2 cm große, dunkelblaue Früchte geworden, die an den Zweigenden sitzen. Diese Früchte sind so sauer, dass es einem die Schuhe auszieht, aber auf der anderen Seite auch wunderbar erfrischend und ein Geheimtipp für alle Wildbeerensammler (Stichwort: Schlehenlikör). Es gilt hier schneller als die Vögel zu sein, die diese Spezialität ebenfalls lieben. Es empfiehlt sich einen ersten Frost über die Beeren kommen zu lassen, da sie dann milder sind. Wer aber nicht so lange warten möchte, sollte sie in seiner Tiefkühltruhe 3-4 Stunden lang deponieren. Die Blüten und Blätter hingegen erntet man bei sonnigem, trockenem Wetter.

Vorkommen: Europa, Vorderasien, Kaukasus, Nordafrika. Die Schlehe liebt sonnige Standorte an Weges- und Waldrändern, oft findet man sie mitten in Feldern stehend.

Inhaltsstoffe:

  • Flavonoide,
  • Procynaidine
  • Kaffeesäure
  • Amine
  • Gerbstoffe
  • Vitamin C (etwa 30 mg / 100 gr)

Es wird angenommen, dass nicht die einzelnen Substanzen, sondern das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe die Heilwirkung erzielen

Wirkungsweise:

  • zusammenziehend
  • abführend
  • immunstärkend
  • kräftigend
  • harntreibend
  • appetitanregend
  • entzündungshemmend

Küchenkräuterschätze

„Schlehdornwein“

3500 gr Schlehen
4,5 Liter Wasser
1650 gr Zucker
Reinzuchthefe

Die gewaschenen Schlehen mit 4 Liter kochendem Wasser übergießen und abkühlen lassen. Hefe zusetzen und das ganze 1-2 Tage ziehen lassen. Den Ansatz passieren und 1100 gr Zucker darin auflösen. Zum Vergären in einen mäßig warmen Raum stellen. Nach dem Gären den restlichen Zucker in einem ½ Liter Wasser auflösen, zum Ansatz hinzugeben und gut ausgären. Nach dem Umstechen und Klären den Wein in Flaschen füllen und gut ausreifen lassen.

Mein liebstes Schlehenrezept: Schlehenlikör „Wintertraum“

Genaue Mengenangaben mache ich bewusst nicht. Das ist jedem frei überlassen. Jedenfalls sammle ich die Schlehen und gebe sie für 3-4 Stunden in die Tiefkühltruhe. Dann, wenn sie wieder weich sind, schneide ich jede Beere 2-3 mal mit einem scharfen Messer ein und gebe sie in eine große, weithalsige Flasche oder ein kleines Fass. Dann bedecke ich sie mit einem guten Rum (>als 40%Vol), füge 2-3 aufgeschnittene Vanilleschoten und 1 Zimtstange bei und lasse das ganze 3-4 Wochen ziehen. Dass seihe ich die festen Bestandteile heraus und süße mit Ahornsirup. In hübsche Flaschen abgefüllt habe ich wunderhübsche Weihnachtsgeschenke. Man kann aus diesem Likör eine Abwandlung des Kir Royals machen, indem man statt des Cassis-Likörs einfach Schlehenlikör verwendet….

Volksglauben und Mystik und Astrologie:

Shakespeare schrieb: „Gerücht ist eine Pfeife, die Argwohn, Eifersucht, Vermutung bläst“. Wahrscheinlich könnte das der Grund gewesen sein, weswegen der Kreuzdorn (!) der Schlehe unterstellte, das Material für Jesus Dornenkrone geliefert zu haben. Die Schlehe, in meinen Augen ein durch und durch liebenswertes Gewächs, war erschüttert ob dieser unglaublichen Anschuldigung. Der liebe Gott sah die Verzweiflung ob dieses unglaublichen Gerüchts und beschloss ein im Mittelalter so beliebtes Gottesurteil zu sprechen: Zum Zeichen der Unschuld der Schlehe schüttete er nachts nicht zu übersehende, schneeweiße Blüten über dem Strauch aus. So berichtet zumindest eine Sage aus Possen. Und wer bin ich, dass ich daran zweifelte?

Das Gottesurteil ging in diesem Fall zwar gut aus, jedoch war es sonst mit größter Vorsicht zu genießen, wenn es von Menschen verhängt wurde. So manche brave Frau wurde post mortem vom Vorwurf der Hexerei freigesprochen, wenn sie an Händen und Füßen gefesselt und mit Steinen beschwert aus einem Fluss nicht mehr aufgetaucht ist. ..

Wo wir gerade bei den Hexen sind: Schlehdorn wurde häufig zur Grundstücksbegrenzung und an Haus und Hofeinfahrten gepflanzt, da man annahm, dass sich Hexen davon abschrecken ließen. Vorstellbar, denn wenn sich der Hexenbesen im Schlehenstrauch verfing, war eine unsanfte Landung vorprogrammiert.
wirksam. Eine Überdosierung hat Erbrechen und Durchfall zur Folge.

Deutsche Namen:

  • Schlehendorn
  • Schlehe
  • Heckendorn
  • Schwarzdorn, „Akazie“ (was aber falsch ist)
  • Schlehdorn
  • Hagedorn
  • Bockbeerli

Lateinische Namen:

  • Prunus spinosa

Medizinische Anwendungsgebiete

Blütentee zur:

  • Blutreinigung
  • Stoffwechselanregung
  • Erschöpfungszustände
  • Rekonvaleszenz
  • Pusteln
  • Akne
  • Rheuma und rheumatische Beschwerden

Schlehensüßmost:

  • Mund-, Halsund Zahnfleischerkrankungen

Warnung: Diese Heilpflanze ist sehr wirksam. Eine Überdosierung hat Erbrechen und Durchfall zur Folge

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