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Geschrieben: 05. Oktober, 2012 in Heilpflanzen
 
 

Heilpflanze – Schwarzer Holunder

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Schwarzer Holunder, der Götterstrauch von Frau Holle

Der Holunder (Sambucus) ist eine Gattung aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) und kommt in Mitteleuropa in drei Arten vor, von denen der Schwarze Holunder die bekannteste ist. Der Holunderbusch ist aber auch in Vorderasien und Nordafrika verbreitet.


Er bildet große, rasch wachsende Sträucher mit starken Verzweigungen, die eine Höhe bis zu sechs Meter erreichen können. Die hellgraue, rissige Rinde mit warzenartigen Punkten umschließt das korkartige Mark in den Ästen. Die Blätter sind lang zugespitzt, unpaarig gefiedert und am Rand eingesägt. Ende Mai/Anfang Juni stehen die gelblich-weißen, süßlich duftenden Blüten in flachen doldenähnlichen Blütenständen. Aus ihnen bilden sich im August und September die anfangs roten, später blauschwarzen Beeren. Sie enthalten zwei oder drei Samen und ein violettes Fruchtfleisch, das intensiv färbend ist.

Der anspruchslose und robuste Holunderbusch ist im Bild der Landschaft so selbstverständlich, dass man ihn kaum mehr wahrnimmt. Er wächst bevorzugt in der Nähe alter Scheunen, im Windschatten von Häusern, an Waldlichtungen oder Wegrändern. Er ist frosthart und gedeiht auch gut im Halbschatten.

Es gibt viele volkstümliche Bezeichnungen für den Schwarzen Holunder: z. B. Alhorn, Elder, Ellhorn, Eller, Flieder, Hölder, Holder, Holderbaum, Holderbusch, Holler, Kelkenbusch, Keiseken.
Ebenso zahlreich sind die traditionellen Rezepte, in denen der Holunder Verwendung findet: Holunderküchle und -kuchen, Holunderblütensekt, Sirup, Limonade, Glühwein und Likör, Norddeutsche Fliedersuppe, Holunderblütentee oder –wasser, Marmelade oder Mus .

Mythologie:

Der „Holderbusch“ war der Lieblingsbaum der germanischen Göttin Holla, die wir als Frau Holle durch das Grimm-Märchen kennen. Darin werden die weißen Blüten in Federn verwandelt und als Schnee auf die Erde geschüttelt. Die Göttin Holla beschützte das Leben der Tiere und Pflanzen, konnte Menschen von Krankheiten heilen und wurde bei den Germanen sehr verehrt. Die Opfer zu ihren Ehren wurden stets unter Holunderbüschen dargebracht.

Volksheilkunde

Der Holunder gehört seit eh und je zu den populärsten Volksheilmittel. Deshalb wurde er früher als „Herrgottsapotheke“ bezeichnet, denn alles wurde von diesem Baum verwendet. Blätter, Blüten, Rinde, Wurzeln und natürlich die Früchte. Als Faktoren dieser Heilwirkung gelten die in den Beeren enthaltenen Vitamine C, A, B1 und B2, Fruchtsäuren, ätherische Öle, die auch in den Blüten enthalten sind, Flavonoide, Gerbstoffe und vor allem das farbgebende Anthocyan, das antioxidativ wirkt.

Da die Konzentration der einzelnen Wirkstoffe unterschiedlich ist, gibt es auch verschiedene Anwendungsbereiche.

Blüten:

  • als Teeaufguss für Schwitzkuren (auch „Fliedertee“ genannt), da stark schweißtreibende Wirkung
  • bei Erkältungskrankheiten wie Grippe, Schnupfen, Bronchitis, Lungenentzündung, da schleimlösend
  • bei Kopf-, Zahn- und Ohrenschmerzen als beruhigendes und schmerzlinderndes Mittel
  • bei Magenbeschwerden
  • einfaches Holunderwasser regt den Stoffwechsel an und wirkt leicht abführend

Beeren:

  • reich an Vitaminen (Vitamin C!) zur Stärkung des Immunsystems. Lassen sich gut zu Saft, Mus, Wein oder Marmelade verarbeiten
  • als Saft verarbeitet wirken sie gegen Rheuma, Ischias und Neuralgien
  • Beeren nicht roh essen, da sie Brechreiz und Übelkeit verursachen!

Blätter:

  • als Tee wirken sie blutreinigend
  • besitzen entwässernde und abführende Wirkung

Rinde und Wurzeln:

  • als Tee zum Entwässern und um die Harnausscheidung anzuregen

Forscher der Universität von Jerusalem haben jetzt in einer neuen Studie die heilsame Wirkung des Holunders bestätigt. Sie haben herausgefunden wie der Holunder wirkt: Die Eiweißstoffe aus dem Holunder fangen die Krankheitserreger ab, bevor diese die Zellen des Körpers angreifen können. Außerdem unterstützt der hohe Gehalt an Vitamin A und C der Holunderbeeren die Bildung von Immunzellen.
Wichtig: Schon bei den ersten Anzeichen einer beginnenden Erkältung Saft, Sirup, Tee oder Suppe aus Holunderbeeren zu sich nehmen.

Schließen wir uns der alten Bauernweisheit an, die lautet: „Vor diesem Strauch soll man den Hut abnehmen!“

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