Geschrieben: 05. Juni, 2024 in Buchtipp
 
 

Die Heilwirkung des Holunders



Marianne Porsche-Rohrer Apothekerin, Heilpraktikerin und Autorin

Bald stehen die Holunderbüsche wieder in voller Blüte. Die Heilwirkung der Blüten oder des Holunders überhaupt war möglicherweise schon den Steinzeitmenschen bekannt. Die alten Griechen, Römer und Germanen wussten über den großen Nutzen ebenso gut Bescheid, wie andere Völker des euroasiatischen Raumes.

Aber noch wesentlicher war für sie die Vorstellung, dass in Holunderbüschen gute Geister wohnen. Die Germanen glaubten sogar daran, dass Freya, die Beschützerin von Haus und Hof, sich den Busch zum Wohnsitz auserwählt hatte. Schon allein deshalb war es Sitte, einen Holunderbusch in die nächste Nähe des Hauses zu pflanzen. Auch wenn heute kaum jemandem diese damalige Denkweise noch bewusst ist, stehen wohl aus gewisser Tradition heraus in vielen Bauerngärten Holunderbüsche. Und dort, wo der Fortschritt noch nicht alles überdeckt hat, wird auch geerntet, im Sommer die Blüten und im Herbst die Beeren. So wird das Heilkräftige mit dem Wohlgeschmack verbunden.

Holunderblüten zu ernten, macht wenig Arbeit, denn man pflückt die ganzen Dolden. Beim Trocknen an einem schattigen Ort rebelt man dann die Blüten ab. So ist schnell ein Vorrat für den Winter angelegt. Das lohnt sich, denn der Tee wirkt schweißtreibend und senkt somit das Fieber bei grippalen Infekten. Die schleimlösende Wirkung ist sehr zuverlässig und kann, bei rechtzeitig einsetzender Behandlung, so manches Antibiotikum überflüssig machen. Auch Teemischungen, z.B. zusammen mit Spitzwegerich, Thymian oder Hagebutten schmecken angenehm und heilen Erkältungen.

Wer im Herbst die Beeren erntet, kommt in den Genuss weiterer Heilkräfte. Die blauroten Farbstoffe, die Anthocyane, sind nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft hochwertige Antioxidantien, die gegen Bakterien, Viren und Pilze wirksam sind und auch Krebszellen abwehren können. Man findet diese Farbstoffe in sämtlichen Beeren, in Rotkraut, Kirschen, roten Weintrauben, Pflaumen, also in allen blau-roten Früchten und Gemüsearten.

Die Zubereitung von Saft oder Marmelade aus den Holunderbeeren gewährleistet zudem eine gute Vitamin-C-Versorgung und damit eine Stärkung des Immunsystems.

Antioxidantien, Vitamin C und feiner Fruchtgeschmack bleiben auch beim Ansetzen mit Alkohol erhalten. Bei maßvoller Dosierung ist also auch ein Holunderschnapserl recht gesund.

Roh darf man die Beeren allerdings nicht essen, denn dann verursachen sie Bauchkrämpfe und starken Durchfall.

 

 

Holunder (Sambucus nigra)

Der Sommer schenkt Holunderblüten

Mit üppig weißer Blütenpracht.

Weil sie vor Fieber mich behüten,

Hab ich mir einen Tee gemacht.

 

Der Herbst schenkt violette Beeren.

Genießbar sind sie nur erhitzt.

Husten und Schnupfen abzuwehren

Das geht ganz schnell, indem man schwitzt.

 

Gelee, Likörchen, Marmelade,

Auch dafür sind die Beeren fein.

Sie nicht zu pflücken, das wär’ schade.

Genuss kann wirklich einfach sein.

 

Um Blitz und Geister zu verjagen,

Pflanzte man ihn am Bauernhaus.

Ein Brauch aus längst vergang’nen Tagen,

Der Strauch am Haus sieht prächtig aus.

 

Zwar wandelte sich manches Wissen,

Doch Brauchtum ist ein wahrer Schatz.

Den Hollerbusch will ich nicht missen.

Er hat am Haus den Ehrenplatz.

 


Aus dem Buch:
Der Wald als Quelle der Gesundheit
– Ein lyrisches Lexikon der gesunden Lebensmittel “
von Marianne Porsche-Rohrer
ISBN: 978-3-00-057528-0 Preis: € 9,95
Seitenzahl: 130
Sprache: deutsch
Zu beziehen über den Buchhandel
oder die Verfasserin: porsche-rohrer.praxis@t-online.de