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Geschrieben: 22. Juli, 2013 in Aktuelles
 
 

Privatisierung von Kliniken – ist doch toll, oder?

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Auf den ersten Blick scheint die Privatisierung von Kliniken viele Vorteile mit sich zu bringen. Das Beamtentum wird somit beendet und viele Wege stehen offen, die es bei den staatlichen Kliniken ganz einfach nicht gibt. Doch schaut man sich die privaten Krankenhäuser in der Praxis an, so sieht es in vielen Fällen überhaupt nicht nach Besserung aus. Auch die versprochenen und hochangepriesenen Preissenkungen oder Versorgungsverbesserungen sind häufig gar nicht vorhanden.

Wie wirkt sich eine Privatisierung auf Patienten aus?

Der Saat will sparen und so ist es nicht verwunderlich, dass auch im Bereich Kliniken immer mehr unter den Hammer kommen. Doch was heißt es für die Patienten, wenn das Krankenhaus nun in privaten Händen liegt? Eine häufig bemerkte Verschlechterung ist die Ausdünnung des Personals, ob Pflegekräfte oder Reinigungskräfte – an allen Ecken wird gespart. So kann es vorkommen, dass die Verpflegung nicht so läuft, wie man es sich gewünscht hätte, vielleicht sogar das Kaffeetrinken abgeschafft wurde. Ein weiterer großer Faktor, den man höchst kritisch betrachten sollte sind sogenannte Erfolgsquoten oder Leistungsorientierte Bezahlungen, die in Privatkliniken gerne dem Personal aufgesetzt werden. Gießen war beispielsweise ein Vorreiter eines solches Systems. Dabei müssen Chefärzte eine Mindestoperationszahl erfüllen. Wirklich weniger Patienten möchten sich gerne als „Massenware“ oder „Fließbandwerk“ fühlen, wenn sie auf dem Op-Tisch liegen.

Natürlich gibt es immer noch die Kehrseite einer Medaille. Das Projekt Privatisierung kann sich auch lohnen. Dann besonders, wenn es sich um kleinere Kliniken handelt, die beispielsweise in der näheren Umgebung noch eine Uniklinik als Alternative haben. Dann besteht natürlich aber auch die Gefahr, dass sich diese kleine Klinik auf besonders lukrative Nischen der Medizin spezialisiert und somit kein umfassendes Angebot für Patienten mehr liefert. Kritiker betrachten diese Bewegung kritisch, da auf diese Weise die Gefahr bestehen könnte, dass gesetzliche Patienten ohne Zusatzversicherungen in naher Zukunft keinen offenen Zugang mehr zu allen Krankenhäuser und Behandlungsmethoden haben. Somit würde im Gesundheitswesen eine Zweiklassengesellschaft entstehen, die die privat versicherten Patienten von den gesetzlich Versicherten, die sich vielleicht aus persönlichen Gründen einfach keine Zusatzversicherung leisten können, immer mehr auseinandertreibt. Spinnt man diesen Gedanken einige Jahre weiter befürchten Kritiker sogar, dass für einige Patienten eine zuverlässige, medizinische Grundversorgung gefährdet sein könnte.

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