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Geschrieben: 07. September, 2016 in Inkontinenz | Krankheiten von A-Z
 
 

Blasenschwäche – Ursachen und Behandlung

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Vielen Betroffenen ist es hochnotpeinlich, darüber zu sprechen: Blasenschwäche. Dabei sind diese Beschwerden weiter verbreitet, als man gemeinhin annimmt. Und das nicht nur im Alter! Vor allem Frauen leiden nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren an Harninkontinenz, wie die Blasenschwäche im Fachjargon genannt wird. Welche Formen und Ursachen eine Blasenschwäche haben kann, und wie man sie behandelt, erfahren Sie hier.

Blasenschwäche / Inkontinenz, Fotoquelle: 123RF

Inkontinenz gilt gemeinhin als Alterskrankheit bzw. als ein Phänomen aus der frühen Kindheit. Daher lässt sie sich leicht ignorieren, abtun als etwas, das die meisten (mittelalten) Menschen nicht betrifft. Dabei leiden Schätzungen zufolge deutschlandweit rund sechs Millionen Menschen an einer Form der Harninkontinenz, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Doch selbst beim Arztbesuch verschweigen Betroffene die Beschwerden häufig und versuchen stattdessen, irgendwie selbst Herr der Lage zu werden. Zu peinlich erscheint ihnen das Eingeständnis, ihren Harnfluss nicht vollständig kontrollieren zu können.

Ursachenforschung ist Grundlage einer erfolgreichen Therapie

Ärzte unterscheiden zwischen mehreren Formen der Inkontinenz, die sich sowohl in der Ursache als auch in der Behandlung voneinander unterscheiden. Daher ist es nötig, dass der Arzt zunächst die Ursache bestimmt, und anschließend eine wirksame Therapie verordnet.

Jeder Mensch kennt das Phänomen des nächtlichen Einnässens aus der Kindheit, die sogenannte Enuresis. Nach dem vierten Lebensjahr ist es mit diesen nächtlichen Unfällen meist vorbei. Daneben existieren jedoch auch tatsächliche Krankheitsbilder.

Bei der Belastungsinkontinenz (früher ‚Stressinkontinenz‘) wird Urin z.B. durch zunehmenden Druck im unteren Bauchraum ausgepresst. Dies kann beim Heben schwerer Gegenstände, aber auch beim Niesen, Husten oder Lachen geschehen. In den meisten Fällen kommt dieser Harnverlust für Betroffene überraschend, da ein vorheriger Harndrang ausbleibt.

Daneben existiert die Dranginkontinenz, bei der Betroffene einen extremen Harndrang verspüren, obwohl die Blase noch gar nicht vollständig gefüllt ist. Typisch hierfür sind mehrere Toilettengänge pro Stunde.

Die Mischinkontinenz bezeichnet eine Form, die sowohl Merkmale der Belastungs- als auch der Dranginkontinenz aufweist.

Fließen bei einer gefüllten Blase immer wieder unkontrolliert kleinere Mengen Urin ab, spricht man von einer Überlaufinkontinenz. Ursache hierfür ist häufig eine vergrößerte Prostata oder ein ähnliches Hindernis, das verhindert, dass sich die Blase vollständig entleert.

Bei der Reflexinkontinenz ist eine Steuerung der Blasenentleerung nicht mehr möglich, da die dafür zuständigen Nerven beschädigt wurden, z.B. durch Parkinson oder ähnliche Krankheiten. Die Blase entleert sich teilweise von selbst.

Inkontinenz bei der Frau

Häufiger als Männer klagen Frauen über Harninkontinenz. Dies liegt vor allem daran, dass bei Frauen die Muskulatur des Beckenbodens durch Schwangerschaften und darauffolgende Entbindungen meist sehr viel stärker beansprucht wird, als die eines Mannes. Häufig tritt während der letzten Schwangerschaftsmonate so auch eine Belastungsinkontinenz auf, die sich in den meisten Fällen nach der Entbindung wieder legt. Auch Nervenverletzungen oder Irritationen nach der Entbindung können die Funktion der Beckenbodenmuskulatur stören.

Möglichkeiten der Therapie

Sowohl für Männer als auch für Frauen wurden vielfältige und erfolgreiche Operationsverfahren entwickelt, eine Harninkontinenz zu beheben. Allerdings sollte dies das letzte Mittel sein. Denn daneben existieren weniger invasive Verfahren, den Harnfluss wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Das Beckenbodentraining eignet sich besonders für Patienten mit Belastungsinkontinenz. Hierbei wird die gesamte Körperregion gestärkt und gestützt. Das Beckenbodentraining gehört zu den schonendsten Therapieansätzen. Allerdings erfordert es auch Geduld und Disziplin.

Natürlich kann man auch auf Medikamente zurückgreifen. Für Frauen empfiehlt sich bei einer Belastungsinkontinenz der Wirkstoff Duloxetin, der jedoch nicht nebenwirkungsfrei ist und daher vom Arzt verschrieben werden muss. Anticholinergika haben sich bei Dranginkontinenz bewährt, allerdings besteht auch hier das Risiko von Nebenwirkungen. Eine nebenwirkungsarme Alternative stellt das seit einigen Jahren zugelassene Mirabegron dar. Wurde bei Frauen als Ursache einer Harninkontinenz ein Östrogenmangel (z.B. während der Wechseljahre) festgestellt, können auch Hormonzäpfchen oder –salben helfen.

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