Geschrieben: 29. September, 2022 in Gesundheit | Ratgeber Tipps & Trends
 
 

Alkoholmissbrauch: Wie ein Kater entsteht und was man dagegen tun kann



Kein anderer Stoff in unserer Menschheitsgeschichte ist so reizvoll wie Alkohol. Vermutlich wurde schon vor 13.000 Jahren bewusst Alkohol von Menschen in primitiver Form hergestellt, um sich damit zu berauschen. Wahrscheinlich sind wir schon früher in der Geschichte mit Alkohol in Kontakt gekommen. Das geht aus der Tatsache hervor, dass selbst Tiere, aber ganz besonders Affen, Alkohol aus vergorenen Früchten konsumieren.

Alkohol ist eine legale Droge

Wie wird eine Droge definiert und wieso gehört Alkohol dazu? Einfach gesagt kann jeder Stoff als Droge gewertet werden, der drei Bedingungen erfüllt:

  • Der Stoff muss im Körper ein Zerstörungspotenzial haben
  • Der Stoff verursacht eine Abhängigkeit
  • Der Stoff muss eine berauschende Wirkung herbeiführen

Alkohol erfüllt diese drei Bedingungen. Aber auch Koffein und Nikotin tun das. Aus historischen und traditionellen Gründen sind diese drei Substanzen in der westlichen Welt nie verboten worden. Würde man Alkohol heute erst entdecken, würde es sicherlich verboten werden.

Beim Konsumieren von Alkohol werden die Glückshormone Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Wir fühlen uns gut und das Belohnungssystem wird aktiv. Bei manchen Menschen verursacht Alkohol eine besonders hohe Ausschüttung von Glückshormonen; diese Menschen sind für eine Sucht dann besonders anfällig. Unterbewusst verlangen wir immer mehr danach und eine Abhängigkeit kann entstehen.

Zusätzlich stört Alkohol die Signalverarbeitung und die Kommunikation zwischen unseren Nervenzellen nimmt ab. Daraus resultiert:

  • Sprach- und Gangstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen und teilweise Halluzinationen
  • Konzentrationsprobleme
  • Schwindel
  • Kreislaufprobleme
  • Übelkeit und Erbrechen

 Tücken des Alkohols

Der Alkohol ist ein gemütlicher Geselle. Er agiert im Körper verhältnismäßig langsam. So dauert es etwa 30 – 60 Minuten, bis eine Wirkung bewusst wahrgenommen werden kann und der Alkohol sein volles Potenzial entfaltet. In dieser Phase hat er sich bereits im ganzen Körper verteilt. Faktisch aber ist Alkohol schon wenige Minuten nach dem Konsumieren im Blut angekommen und erreicht das Gehirn. Die Ursache für diese Wirkungsverzögerung sind Magen und Dünndarm, die Stoffe nur mit einer bestimmten, recht langsamen Geschwindigkeit in den Körper passieren lassen.

Eine Dosierung ist hierdurch schwer. Oftmals bemerken wir unseren Zustand zu spät und es befindet sich noch reichlich Alkohol im Magen, der den Weg in die Blutbahn noch vor sich hat. Eine Verschlechterung des Wohlbefindens ist die Folge.

Weiterhin scheint es zuerst so, als hinterließe Alkohol keine großartigen und langfristige Bleibeschäden. Die Schäden treten selbst bei regelmäßigen Trinkern erst nach Jahren auf. Auch wenn nicht allzu exzessiv konsumiert wird.

Da Alkohol in unserer westlichen Welt und auch darüber hinaus gesellschaftlich akzeptiert ist, ist ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang damit notwendig. Nicht selten machen schon Jugendliche die ersten Erfahrungen damit, trotz verschiedener Gesetze.

Welche Schäden Alkohol anrichtet und welche Gefahren drohen

Alkohol kann kurzfristige Gefahren und langfristige Schäden verursachen.

Wenn wir betrunken sind, erfahren wir einen Rausch durch Alkohol. Auch in diesem Zustand können schon Gefahren auftreten:

  • Durch den Rausch erhöhen sich Blutdruck und Herzfrequenz. Es steigert die Gefahr für Schlaganfälle und Herzinfarkte massiv.
  • Durch falsche Selbsteinschätzung fahren viele Menschen noch Auto und gefährden damit sich und andere Verkehrsteilnehmer. Auch Radfahren ist nicht erlaubt!
  • Aufgrund der betäubenden Wirkung ist die Verletzungsgefahr durch Stürze oder ähnliches besonders hoch. Auch Verbrennungen und Erfrierungen werden sehr zeitverzögert wahrgenommen.
  • Betrunkene sind besonders leichte Opfer für Gewalt oder andere Verbrechen.

Langfristige Schäden, die erst nach Jahre oder Jahrzehnte auftreten:

  • Lebererkrankungen, wie beispielsweise Leberzirrhose.
  • Schädigung des Gehirns. Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, Intelligenz lässt nach.
  • Typische Krebserkrankungen an Leber, Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre und Enddarm.
  • Bluthochdruck und Erkrankungen am Herzmuskel.
  • Persönliche Veränderungen durch Unruhe, Reizbarkeit, Ängste, Depressionen und damit einhergehender Verlust von sozialen Kontakten.
  • Impotenz
  • Entzündung von Magenschleimhaut und Bauchspeicheldrüse.
  • Übergewicht, besonders Fettansammlungen in der Bauchregion, auch bekannt als Bierbauch

Der berüchtigte Kater und wie Alkohol abgebaut wird

Viele kennen das Befinden danach: der Kater am nächsten Morgen. Typische Symptome eines Katers sind:

  • Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Magen- und Muskelschmerzen
  • Schwindel und Unruhegefühl
  • Der klassische Filmriss
  • Und eher selten Schuldgefühle und Angstzustände

Die Ursachen eines Katers lassen sich einfacher nachvollziehen, wenn wir verstehen, wie Alkohol vom Körper abgebaut wird.

Im Volksmund wird insgesamt angenommen, dass die Leber eine Filterfunktion hat. Das ist nicht ganz korrekt. Die Leber hat die Aufgabe, Stoffe so umzuwandeln, dass die Niere diese ausfiltern kann. Diesen Schritt nennt man Verstoffwechselung. Die flüssigen Endprodukte gelangen durch die Niere in die Blase und werden über den Urin nach außen abgegeben.

Alkohol ist ein Gift und der Körper möchte ihn so schnell wie möglich loswerden. Wenn die Alkoholkonzentration entsprechend hoch ist, wird diese sogar durch die Lunge in die Atemluft abgegeben. Die typische Alkoholfahne entsteht.

Für die Verstoffwechselung von Alkohol sind mehre Schritte in der Leber notwendig und mehre Enzyme sind daran beteiligt. Einfach zusammengefasst benötigt die Leber für diese Verstoffwechselung viel Wasser und Mineralstoffe. Wenn nicht mehr genug Wasser vorhanden ist, sind andere Körperfunktionen eingeschränkt. Die typischen Symptome eines Katers entstehen demnach durch das Fehlen von Wasser.

Wie wir den Kater verhindern können: Wasser marsch

Da wir nun wissen, was den Kater verursacht und was der Körper benötigt, können wir ihm bei der Verstoffwechselung behilflich sein, in dem wir ihm das geben was er braucht: Wasser!

Schon beim Konsumieren von Alkohol sollte ab und zu ein Glas Wasser dazwischengeschoben werden. Dieses Vorgehen verringert die Symptome am nächsten Tag erheblich. Zwar sind immer noch minimale Wehwehchen zu verspüren, wie Unwohlsein in der Magengegend, diese sind aber deutlich geringer als ein vollwertiger Kater. Besser ist es sogar, zusätzlich Mineralstoffe und Vitamine einzunehmen. Schon eine einfache Multivitamintablette bewirkt Wunder. Wichtig jedoch ist immer, damit nicht zu spät anzufangen, sondern am besten schon während der Trinkphase.

Sollten Sie es vergessen haben, holen Sie es so schnell wie möglich nach.

Was ist mit bekannten Hausmittelchen?

Die wohl bekannteste Empfehlung, um einen Kater zu behandeln, ist der Verzehr des Katerfrühstücks. Darunter zählt der Rollmops, saure Gurken, Matjes und Salzstangen. Eben das, was dem Körper Vitamine, Mineralien und Elektrolyte wieder zuführt. Eines haben alle gemeinsam: Sie sind nicht effizient und werden in der Regel am nächsten Tag angewendet. Dann, wenn es schon zu spät ist und der Kater bereits da ist.

Fazit

Das Beste gegen einen Kater ist, den Kater erst gar nicht entstehen zu lassen. Der Alkoholabbau erfordert viel Wasser. Genau das sollten wir schon während der Trinkphase wieder zuführen und ab und zu ein Glas Wasser dazwischenschieben. Am besten ist es, kurz vor dem Schlafengehen eine Multivitamintablette einzunehmen. Sollte der Kater jedoch durch Nichtbeherzigen oder Vergessen der Tipps am nächsten Tag da sein, ist es ratsam, genau diese Schritte nachzuholen: Viel Wasser trinken und eine Multivitamintablette einnehmen. Das Katerfrühstück hilft dann nur bedingt.

 

Autorenhinweis
Denis-Franz Heinrich; B.Sc.
Fachinformatiker und Medizininformatiker

Erschinen Oktober | GESUND&VITAL RÄTSEL

Buchtipp – Die Sache mit dem Alkohol

Genuss ohne Abhängigkeit ist möglich: Warum wir trinken und wie wir unsere Gewohnheiten ändern können
  • ISBN-978-3-86374-676-6
  • 1. Aufl. September 2022, Klappenbroschur
  • 13,5 x 21,5 cm, 190 Seiten

Weiterführende Artikel – Alkoholsucht – Wie entsteht eigentlich die Abhängigkeit?