Geschrieben: 23. Februar, 2024 in Bewegungsapparat | Rücken
 
 

Rückengesundheit: das Rückgrat unseres Körpers


Der Rücken ist das Rückgrat unseres Körpers, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Durch unseren Rücken verlaufen die Wirbelsäule und die darin enthaltenen zentralen Nerven. Die Wirbelsäule ist daher nicht nur eine strukturelle Unterstützung des Körpers, sondern sie überträgt auch die Signale zwischen Körper und Gehirn. Ein kaputter Rücken spiegelt sich früher oder später im gesamten Körper wider.

Anatomie: der Rücken und die Wirbelsäule

Der menschliche Rücken besteht aus der Wirbelsäule, die sich aus einzelnen Wirbeln zusammensetzt und als zentrale Stütze des Körpers fungiert. Zwischen den Wirbeln befinden sich Bandscheiben, die als Stoßdämpfer wirken. Die Wirbelsäule schützt das Rückenmark, das ein Teil des zentralen Nervensystems ist.

Die Wirbelsäule besteht aus 24 beweglichen Wirbeln und gliedert sich wie folgt auf:

  • Halswirbelsäule: 7 Wirbel
  • Brustwirbelsäule: 12 Wirbel
  • Lendenwirbelsäule: 5 Wirbel
  • Kreuzbein
  • Steißbein.

Die Rückenmuskulatur spielt eine zentrale Rolle, da sie wie ein schützender Panzer den Rumpf mit Muskeln umschließt. Dieses sog. Muskelkorsett schützt u. a. die Wirbelsäule, sorgt für die Stabilität sowie für die Haltung und macht unsere Rückenbeweglichkeit erst möglich. Es lässt sich grob in drei Muskelgruppen unterteilen: die tief liegenden Bauchmuskeln, die Rückenmuskulatur und die seitlichen Rumpfmuskeln. Diese Muskelgruppen müssen ausbalanciert sein und miteinander harmonieren. Das Muskelkorsett ist daher entscheidend für die Vermeidung von Rückenproblemen, da es die Belastung auf die Wirbelsäule reduziert und die allgemeine Stabilität des Körpers verbessert.

Muskelkorsett: Harmonie und Balance der Muskulatur

Jeder Muskel in unserem Körper – mit ein paar wenigen Ausnahmen – hat einen Gegenmuskel. Man kann diese umgangssprachlich als Spieler (Agonist) und Gegenspieler (Antagonist) bezeichnen. Dies ist notwendig, da sich ein Muskel nur zusammenziehen, sich jedoch nicht von allein strecken kann. Dieses Prinzip ist für unser Muskelkorsett essenziell und bezieht den ganzen Rumpf mit ein, welcher sich vereinfacht in folgende Abschnitte aufteilen lässt:

  1. Brust
  2. Bauch
  3. Rücken
  4. Becken.

Muskeln bzw. auch ganze Muskelgruppen müssen einen gleichstarken Gegenmuskel haben, um sich auszugleichen. Ist dies der Fall, arbeiten sie als Paare harmonisch zusammen und sind in Balance zueinander. Durch verschiedene Gründe kann diese Balance gestört werden: Ein Muskel dominiert bzw. der andere ist unterlegen.

Rückenschmerzen: Wenn Muskeln verkümmern

Ist unser Muskelkorsett insgesamt schwach oder unausgeglichen, bekommen wir früher oder später die ersten Folgen zu spüren: Schmerzen. Doch welche Gründe gibt es dafür? Folgende Ursachen kann es geben:

  • Fehlhaltungen und schlechte Ergonomie: lange Stunden im Sitzen, falsche Haltung und schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz.
  • Entzündliche Erkrankungen: Krankheiten wie Arthritis oder entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule.
  • Muskelverspannungen und -zerrungen: Ãœbermäßige Belastung oder plötzliche Bewegungen können zu Muskelverspannungen oder -zerrungen führen.
  • Verletzungen und Unfälle: traumatische Verletzungen durch Unfälle, Stürze oder Sportunfälle.

Die oben genannten Ursachen werden nicht selten durch Übergewicht und psychosoziale Faktoren wie Stress, Angst oder Depression begünstigt.

Wer die oben genannten Punkte ignoriert und nicht schnell gegensteuert, riskiert eine Überforderung der Wirbelsäule. Diese fängt das Gewicht und die Belastung ab, welche üblicherweise vom Muskelkorsett übernommen werden. Daraus resultieren schnell Bandscheibenvorfälle.

Diagnose Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn der weiche Kern einer Bandscheibe zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule hervortritt oder austritt. Die Bandscheiben sind stoßdämpfende Strukturen zwischen den Wirbeln, die aus einem äußeren Faserring und einem weichen, gelartigen Kern bestehen.

Wenn der Faserring beschädigt wird, kann der innere Kern durch die Risse treten und auf Nerven oder Rückenmark drücken. Die Symptome können von Person zu Person variieren und hängen davon ab, welcher Nerv an der Wirbelsäule betroffen ist. So kann beispielsweise ein zusätzlicher Schmerz, ein Taubheitsgefühl, ein Jucken oder ein Kribbeln in den Armen, Brust, Oberschenkel oder bis in die Füße auftreten.

Eine genaue Diagnose erfordert oft bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Die Behandlung kann von konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie und Medikamenten, bei schweren Fällen aber bis hin zu einer Operation reichen.

Physiotherapie und Sport

Je früher gehandelt und behandelt wird, desto besser ist die Genesung ohne bleibende Schäden. Die erste Anlaufstelle ist ein Orthopäde, der eine genaue Diagnose stellt. Dieser ordnet in der Regel bei anfänglichen Beschwerden eine sog. Heilmittelverordnung an, welche bei einem Physiotherapeuten durchgeführt werden kann. Dies kann beispielsweise eine klassische Krankengymnastik sein in Form einer Einzel- oder Gruppentherapie, Übungen mit Geräten, Atemtherapie, Massagen mit oder ohne Wärme- oder Kältebehandlung, Elektrotherapien sowie Wärme- oder Hydrotherapien. Bei fortgeschritteneren Leiden kann nur operativ behandelt werden.

Zu Hause oder in einer Gruppe weiterüben

In einer Krankengymnastik bekommen Sie die richtigen Übungen gezeigt und es wird auf die korrekte Ausführung geachtet. Es ist vorgesehen, dass Patienten diese Übungen regelmäßig zu Hause selbst durchführen. Leider machen Patienten oft den Fehler, nur während einer Krankengymnastiksitzung sportlich aktiv zu sein. Oft fehlt es an Motivation oder eine Übung ist doch noch zu anstrengend. In solch einem Fall ist es ratsam, die Wiederholungen vorerst zu reduzieren und auf seinen Körper zu hören.

Sinn und Zweck solcher Übungen ist es, das bereits erwähnte Muskelkorsett wieder zu stärken und/oder die Balance der Muskeln wiederherzustellen. Dies erfordert anfangs Überwindung, welche sich aber lohnt. Wichtig ist, dass Sie sich langsam steigern und sich immer ein wenig fordern, aber nicht überfordern!

Wer sich dennoch nicht motivieren kann, darf sich gerne einer (Sport-)Gruppe anschließen. In vielen Gemeinden und Städten gibt es Turnvereine, Volkshochschulkurse oder anderweitige Angebote, auch speziell für Senioren. Nicht selten gibt es auch Betroffene, die sich selbst in einer kleinen Gruppe organisieren. Dies macht sehr viel Spaß und hält fit!

Der Tag der Rückengesundheit am 15. März widmet sich der Aufklärung über die Bedeutung einer starken und gesunden Wirbelsäule. Durch Veranstaltungen und Kampagnen werden Rückenbeschwerden vorgebeugt und ein bewusster, rückengesunder Lebensstil gefördert.

 

 

Autorenhinweis:
Denis-Franz Heinrich; B. Sc.
Fachinformatiker und Medizininformatiker

Erschienen März | GESUND&VITAL RÄTSEL