Geschrieben: 21. Dezember, 2023 in Schmerz
 
 

Schmerzen: Der richtige Umgang ist wichtig


Mit Schmerzen verbinden wir üblicherweise etwas Negatives. Doch bei genauerer Überlegung sollten wir einsehen, dass ein Schmerz sogar etwas Positives ist: Er gibt uns Rückmeldung über aktuelle Verletzungen und warnt uns frühzeitig vor möglichen Beschädigungen in unserem Körper, auf die wir dann reagieren können.

Anatomie: Wie entsteht der Schmerz?

Fast überall in unserem Körper befinden sich Schmerzrezeptoren. Sowohl oberflächlich auf unserer Haut als auch in unserem Körperinneren. Es gibt verschiedene Arten von Rezeptoren, die auf verschiedene Reize reagieren:

  • Thermische Reize: Hitze und Kälte
  • Mechanische Reize: Druck und Verletzungen
  • Chemische Reize: Entzündungen, Säuren und Gifte

Ist ein Schmerz sensorisch aufgenommen, wird er durch bestimmte Nervenfasern weitergeleitet, welche sich in schnelle und langsame Fasern einstufen lassen. Wenn die Schmerzinformation durch langsame Nervenfasern weitergeleitet wird, bemerken wir den Schmerz leicht verzögert und können auch den Schmerz nur schwer lokalisieren. Typische Aussagen sind dann: „Der Schmerz ist irgendwo am Rücken.

Die Schmerzinformation läuft nun durch den Nerv in unser Rückenmark. Dort kann schon ggf. ein Reflex entstehen. Das heißt, es folgt schon eine erste körperliche Reaktion, ohne dass wir uns dem bewusst sind und der Schmerz im Gehirn schon registriert wurde. Die Reaktionen sind sehr instinktiv und äußern sich überwiegend in Flucht oder eher selten als Angriff. Ein Beispiel ist das Wegziehen der Hand auf einer heißen Herdplatte. Im Rückenmark können auch körpereigene Stoffe wie Endorphine die Weiterleitung der Schmerzinformation hemmen und den Schmerz abschwächen bzw. lindern. Manche Schmerzmittel wie beispielsweise Opiate setzen genau an der Stelle im Rückenmark an.

Vom Rückenmark wird die Schmerzinformation an das Gehirn weitergeleitet und gleichzeitig an verschiedenen Stellen verarbeitet. In der Hirnrinde wird der Schmerz erstmals bewusst: Wir spüren den Schmerz. In unserem limbischen System des Gehirns findet eine emotionale Interpretation statt, die dann als Erinnerung und Erfahrung abgespeichert wird.

Körperlicher und seelischer Schmerz nahe beieinander

Körperlicher und seelischer bzw. emotionaler Schmerz hängen nahe beieinander. So kann auch körperlicher Schmerz einen seelischen Schmerz – und insbesondere ein „Leiden“ auslösen – und umgekehrt. Das klingt erst mal etwas abstrakt, doch die besten Beispiele dafür sind Gefühle wie Liebeskummer, Hass, Neid und Eifersucht.

Diese Nähe zueinander ist evolutionär bedingt und hat uns gewisse Vorteile beim Überleben gebracht. Gemeint ist damit die bereits beschriebene emotionale Interpretation des Schmerzes im Gehirn. Es hilft uns, sich an vergangene Situationen zu erinnern und um zu entscheiden, ob sich ein Risiko oder eine anstehende Gefahrensituation lohnt. Unsere Vorfahren konnten leichter die Erfolgsquoten abwägen.

Schmerzen nicht ignorieren

Studien haben gezeigt, dass langfristig ungeklärte oder unbehandelte Schmerzen sich verschlimmern und die Wahrnehmung steigt. Der Leidensdruck erhöht sich, obwohl es aus körperlichen Gründen unbegründet ist.

Schmerzen sind ein wichtiges Warnsignal und teilen uns bereits vorhandene oder bevorstehende Beschädigungen mit. Sie zu ignorieren, erhöht den Leidensdruck und erschwert später eine passende Behandlung.

Schmerzen richtig beschreiben

Schmerzen sind sehr vielfältig und sehr komplex. Manchmal ist es sehr schwer, sie in Worte zu fassen. Doch wenn Sie sich einem Arzt vorstellen, ist eine Beschreibung des Schmerzes sehr entscheidend. Nur so kann eine genaue Diagnose hergeleitet und eine richtige Behandlung empfohlen werden.

Versuchen Sie den Schmerz nach folgenden Kriterien zu beschreiben:

  • Häufigkeit: permanent, nicht permanent, zu bestimmten Zeiten
  • Art: stechend, drückend, brennend, klopfend, bohrend, dumpf, ziehend
  • Umstand: bei Ruhe, bei Bewegung/Belastung, bei Nacht/Tag
  • Intensität: Skala 0 (kein Schmerz) – 10 (schlimmstmögliche Schmerzen)
  • Lokalität: exakte Stelle oder Bereich, oberflächlich oder innen

Legen Sie bei länger anhaltenden Schmerzen ein Schmerztagebuch an. Dokumentieren Sie Datum und Uhrzeit bzw. Zeitraum sowie die oben genannten Parameter – auch, ob Sie ggf. Schmerzmittel eingenommen haben, wann und welches Medikament und welche Dosierung.

Wann soll ich reagieren?

Auf sein eigenes Gefühl zu hören, ist meistens richtig. Bei einer minimalen Schnittverletzung, einer kleinen Verbrennung oder einer nicht nennenswerten Schürfwunde können Sie sich selbst mit Schmerzmitteln behandeln.

Auch wenn die Schmerzen problemlos aushaltbar sind und diese Sie nicht besonders im Alltag stören, sollten die Schmerzen jedoch nicht mehr als drei Tage andauern. Halten sie länger an, können Sie als ersten Schritt Rat in einer Apotheke einholen. Dort kann man Ihnen rezeptfreie Medikamente geben. In der Regel können so die meisten Ursachen für den Schmerz schnell behandelt werden.

Wenn der Schmerz jedoch noch weitere drei Tage anhält, sich nicht bessert oder sich gar verschlimmert, sollten Sie sich eine Ärztin oder einem Arzt vorstellen. Zeigen Sie ihm das oben genannte Schmerzprotokoll.

Schmerzen, die Sie im Alltag sehr beeinträchtigen und die sehr stark sind, sollten zeitnah einer Ärztin oder einem Arzt vorgestellt werden.

Schmerzmittel in der Hausapotheke

In jedem Haushalt sollte eine kleine Hausapotheke vorhanden sein. Damit können leichte bis mittelstarke Schmerzen behandelt werden. Bekannte rezeptfreie Schmerzmittel sind:

  • Acetylsalicylsäure (ASS), bis zu 500 mg
  • Diclofenac, bis zu 25 mg
  • Ibuprofen, bis zu 400 mg
  • Naproxen, bis zu 250 mg
  • Paracetamol, bis zu 500 mg

Höhere Dosierungen müssen von einem Arzt verschrieben werden.

Für jedes Medikament gibt es eine Höchstdosis pro Einnahme sowie eine tägliche Höchstdosis. Lesen Sie sorgfältig die Packungsbeilage oder lassen Sie sich in einer Apotheke beraten.

 

Autorenhinweis:
Denis-Franz Heinrich; B. Sc.
Fachinformatiker und Medizininformatiker

Erschienen Januar | GESUND&VITAL RÄTSEL